Warum wir Fehler machen dürfen

Irrtümer erlaubt

Wer Fehler macht, profitiert von mehr Gelassenheit und weniger Perfektionswahn. Jürgen Schaefer, Redakteur der Zeitschrift GEO, erklärt, warum wir mehr gewinnen, wenn wir uns irren.

VR-Future-Redaktion: Herr Schaefer, was war in Ihren Augen ein persönlicher Fehler?

Jürgen Schaefer: Dass ich zu lange bei Lokalzeitungen gearbeitet habe, obwohl ich davon eigentlich relativ früh schon gelangweilt war. Trotzdem habe ich dort acht Jahre meines Lebens verbracht.

VR-Future-Redaktion: Fehler entstehen ja oft zur ungünstigsten Zeit: Wenn man erschöpft ist, unter Zeitdruck steht oder nichts schief gehen darf ...

Jürgen Schäfer: Ja, je dringlicher es ist, dass ein Fehler nicht geschieht, desto eher geschieht er. Alle Fehler, die passieren können, passieren auch – es ist nur eine Frage der Zeit. Dies ist der erste Grundsatz. Der zweite: Alle Menschen machen Fehler. "Deswegen hat der Bleistift am Ende einen Radiergummi", sagt ein japanisches Sprichwort.

VR-Future-Redaktion: Perfektion ist Ihrer Meinung nach Lähmung. Deshalb sind Sie gegen das Streben danach. Was ist falsch daran?

Jürgen Schäfer: Perfektionisten neigen dazu, Dinge nie fertig zu machen, Arbeit zu verschleppen und Projekte unnötig in die Länge zu ziehen. Das bisschen Mehrwert, das dabei entsteht, steht in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand. Wer immer auf der Hut ist und versucht, etwas perfekt zu machen, der wird nie in der Lage sein, etwas vernünftig anzugehen – und meistens gar nichts machen, weil er Angst davor hat, Fehler zu machen.

VR-Future Ausgabe 3/2014

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