Macht Sport glücklich?

Wer sich bewegt, tut nicht nur was für den Körper, sondern auch für den Kopf.

Warum Sport glücklich macht und was dabei genau mit unserem Gehirn passiert, erklärt Sport- und Neurowissenschaftler Stefan Schneider.

VR-Go-Redaktion: Macht Sport glücklich?

Stefan Schneider: So allgemein kann man das nicht sagen. Wenn wir freiwillig Sport machen und Spaß daran haben, dann ja. Wenn wir aber keinen Spaß daran haben, dann hat Sport diesen positiven Effekt nicht.

VR-Go-Redaktion: Sportlehrer sollten also dafür sorgen, dass alle Schüler Spaß am Sport haben?

Stefan Schneider: Unbedingt. Es gibt Studien, die zeigen, dass das Gehirn positiv auf Sport reagiert. Wir haben das beispielsweise an Forschern zeigen können, die an einer Antarktisexpedition beteiligt waren. Sie waren zehn Monate völlig isoliert auf ihrer Forschungsstation. Bei denen, die regelmäßig Sport gemacht haben, blieb die Laune über diesen Zeitraum stabil. Bei den anderen wurde sie immer schlechter. Sport ist nicht nur wichtig für den Körper, sondern auch für den Kopf – gerade Schulsport. 

VR-Go-Redaktion: Wieso für den Kopf?

Stefan Schneider: Weil Schüler besser lernen können, wenn sie regelmäßig Sport treiben und sich bewegen. In England kam dazu gerade eine Studie heraus. Das Ergebnis: Die schulische Leistungsfähigkeit von Schülern ist deutlich höher, wenn sie sich regelmäßig bewegen. Bei Mädchen waren schon 15 Minuten Sport am Tag ausreichend, bei Jungs 30 Minuten.

VR-Go-Redaktion: Sport macht also klug?

Stefan Schneider: Sport macht natürlich nicht automatisch klug. Aber nach dem Sport sind wir aufnahmefähiger und können neue Informationen besser verarbeiten. Mehr Wissen bleibt hängen – naja und damit werden wir letzten Endes doch klüger.

VR-Go-Redaktion: Warum ist das so?

Stefan Schneider: Im vorderen Teil unseres Gehirns, dem präfrontalen Cortex, findet die Verarbeitung von Informationen statt. Wenn wir Stress haben, ist dieser Bereich überlastet und wir können uns nicht mehr konzentrieren und keine neuen Informationen aufnehmen. Wenn wir aber Sport treiben, wird der präfrontale Cortex entlastet.

VR-Go-Redaktion: Wie das?

Stefan Schneider: Beim Sport führen wir sehr komplexe Bewegungen aus. Dafür braucht das Gehirn enorm viel Rechenleistung. Diese Rechenleistung findet in einem anderen Teil des Gehirns, dem motorischen Cortex, statt.

VR-Go-Redaktion: Und da bleibt quasi für das Denkzentrum nichts übrig?

Stefan Schneider: So ist es. Es wird oft unterschätzt, wie kompliziert ganz alltägliche Bewegungen sind. Das merkt man, wenn man sich moderne Roboter anschaut: Die sind ziemlich clever. Sie können viel schneller rechnen als wir. Beim Schach haben wir Menschen keine Chance gegen einen Computer. Aber es gibt immer noch keine Roboter, die vernünftig gehen oder einen Ball schießen können.

VR-Go-Redaktion: Und was passiert mit unserem Gehirn, wenn wir uns zu wenig bewegen?

Stefan Schneider: Bewegung führt immer dazu, dass es zu neuen Verknüpfungen im Gehirn kommt, zum Teil sogar zu Neubildungen von Nervenzellen. Aber es ist nicht nur die Bewegung selbst, die dazu führt, sondern auch die Erkundung der Welt durch Bewegung. Wenn wir uns nicht bewegen, erleben wir nichts, machen keine neuen Entdeckungen. Dann kann sich das Gehirn nicht weiter entwickeln.

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