Mathe-App MATH 42

Die Erfolgsgeschichte von zwei Brüdern

Als Schüler hatten Maxim und sein Bruder Raphael eine Idee. Fünf Jahre später ist ein Unternehmen daraus geworden. Im Interview erzählt Maxim, warum die Mathe-App MATH 42 so gut funktioniert. 

Mit 15 hast du dir überlegt, dass du eine Mathe-Nachhilfe-App entwickeln willst. Wie bist du darauf gekommen?

Es hat damit angefangen, dass ich sehr viel Mathenachhilfe gegeben habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass immer die gleichen Fragen kamen. 2007 kam das iPhone und 2010 das iPad – und ich wusste: In der Bildung wird sich was verändern. Da kamen meinem Bruder Raphael und mir die Idee für MATH 42.

Was kann die App?

Die gesamte Algebra von der 6. bis zur 12. Klasse und inzwischen auch einen Großteil der rechenbaren Mathematik aus der Uni. Du kannst eine Aufgabe eingeben und die App macht dann im Prinzip drei Dinge: Vorschläge geben für das Lösen einer Aufgabe, Schritt-für-Schritt-Lösungen aufzeigen, wobei du verschieden detaillierte Unterschritte anklicken kannst, und mathematische Begriffe erklären.

Klingt nach viel Programmierarbeit. Wie lange habt ihr daran gebastelt?

Wir arbeiten seit über fünf Jahren daran. Nach dreieinhalb Jahren haben wir die erste Version veröffentlicht. Es ist einfach ein hochkomplexes Ding, so ein Programm zu schreiben. Zum Vergleich: Mein Vater hat den ersten Schachcomputer entwickelt. Der hatte 10.000 Zeilen Code. Die Mathematik in MATH 42 hat 70.000 Zeilen.

Du warst 15, dein Bruder 14, als ihr die Idee für die App hattet. Hattet ihr Ahnung von Geschäftssachen?

Nee. Aber wir waren gnadenlos optimistisch – und super-naiv. Wir dachten, unser Vater macht bestimmt sofort mit. Aber er war überhaupt nicht überzeugt von der Idee. Er hat gesagt: Ich bin mir sicher, dass es sowas schon gibt. Und ich glaube nicht, dass die Leute dafür Geld ausgeben werden.

Wie habt ihr ihn überzeugt?

Mein Bruder und ich können beide extrem hartnäckig sein. Drei, vier Monate lang haben wir ihn jeden Tag genervt. Irgendwann hat er gesagt: "Hier ist die Vorlage für einen Businessplan. Füllt ihn aus, überzeugt mich und ich mach mit!" Wir hatten natürlich überhaupt keine Ahnung von sowas. Aber nach zwei Monaten kamen wir mit Zahlen, die ihn vom Hocker gehauen haben: In Deutschland wurden damals jährlich knapp eine Milliarde Euro für Mathenachhilfe ausgegeben. Und: Es gab so ein Produkt nicht auf dem Markt.

Ihr habt recht gehabt – eure App ist erfolgreich ...

Sie wurde schon 1,5 Millionen Mal runtergeladen. Die App ist größtenteils gratis. Nur die Funktionalitäten, die sich an die zwölfte Klasse und die Uni richten, kosten nach einer Testzeit was. Diese Bezahlfunktion gibt es erst seit ein paar Wochen. Was wir damit einnehmen werden, können wir noch gar nicht richtig abschätzen. Wir haben aber auch angefangen, die Technologie hinter MATH 42 an Verlage zu lizensieren.

Wie wichtig ist Risikobereitschaft und Neugier bei so einem Projekt?

Welche Risikobereitschaft? Man hat kein Risiko, wenn man in der Schule oder an der Uni ist. Das ist die einzige Zeit im Leben, wo man ohne Risiko was Eigenes anfangen und aufbauen kann. Ich glaube, Neugier ist das Allerwichtigste. Durch die Welt gehen, Zeitung lesen, sich informieren, überlegen: Wo sehe ich Probleme? Wie könnte ich sie angehen? Nur wer neugierig ist, entwickelt sich weiter.

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