Social Media beim WWF

Soziale Netzwerke bieten tolle Möglichkeiten.

Melanie Gömmel, Social-Media-Redakteurin bei der Umwelt-Organisation WWF erzählt von ihrem Arbeitsalltag.

VR-Go-Redaktion: Facebook als Beruf – was macht man da den ganzen Tag?

Melanie Gömmel: Zum einen Community-Management. Das heißt: Ich betreue Kommentare, antworte auf Fragen, steige in Diskussionen mit ein. Zum anderen veröffentliche ich viele Beiträge zu unseren WWF-Themen und versuche, die Community zu informieren und auch zu unterhalten. Das sind inzwischen fast 180.000 Fans. Und ich werte danach aus: Was ist gut gelaufen, was nicht so.

VR-Go-Redaktion: Und was ist zuletzt richtig gut gelaufen?

Melanie Gömmel: Unsere Kampagne zum Thema Great Barrier Reef: Da soll ein Kohlehafen ausgebaut werden, das wollten wir unbedingt stoppen. Deshalb haben wir gemeinsam mit Campact kurzfristig eine Petition gestartet und innerhalb von zehn Tagen über 200.000 Unterschriften zusammenbekommen. Es gab super viele Kommentare, Likes, Shares. Ergebnis war, dass der Investor sich zurückgezogen hat. Ein Riesenerfolg für uns.

VR-Go-Redaktion: Sind soziale Netzwerke eine gute Möglichkeit, sich sozial zu engagieren?

Melanie Gömmel: Absolut. Man kann Blogbeiträge schreiben, man kann twittern, man kann von einem Tag auf den anderen einen Protest organisieren oder eine Demo. Und man kann damit viel mehr Leute erreichen als früher. Ich glaube, da sind ganz neue Protestformen entstanden. Aber auch Möglichkeiten der Beteiligung: Wirklich jeder kann aktiv werden und seine Meinung sagen.

VR-Go-Redaktion: Da macht der Job Spaß, oder?

Melanie Gömmel: Total! Ich finde es toll, dass ich immer sofort Feedback bekomme von der Community. Egal ob gut oder schlecht, ich weiß immer sofort: Wie finden die Leute da draußen das, was wir hier machen. Das macht Social Media aus. Das ist kein planbarer Job, im Gegenteil: Ich werde jeden Tag wieder überrascht – von der Community, von Themen, von neuen Hypes im Netz. Diese Spontaneität ist toll.

VR-Go-Redaktion: Was, wenn mal jemand einen bösen Kommentar schreibt?

Melanie Gömmel: Im besten Fall habe ich sofort eine gute Antwort parat. Wenn nicht, dann schreibe ich erst mal: "Super, dass du uns darauf aufmerksam machst. Wir fragen bei einem Fachkollegen nach, bitte gedulde dich noch ..." Ganz schlimme Kommentare löschen wir auch manchmal, aber mit Ankündigung: "Lieber XY, du kannst dich gerne in die Diskussion einklinken, aber bitte keine beleidigenden, rassistischen, ... Beiträge!" 

VR-Go-Redaktion: Gab es mal einen extremen Fall, einen Shitstorm?

Melanie Gömmel: 2011 gab es einen Dokumentarfilm, der die Arbeitsweise des WWF kritisiert hat. Damals hatten wir einen Shitstorm. Weil die Behauptungen von damals immer noch im Netz zu finden sind, kommt auch immer mal noch was nach. 

VR-Go-Redaktion: Wie hat der WWF darauf reagiert?

Melanie Gömmel: Wir haben so transparent wie möglich auf allen Kanälen mit den Menschen gesprochen. Herzstück war eine eigene Website, die Fragen und Antworten zu dem Thema gesammelt hat. Wichtig war aber auch, uns als Team zu zeigen, um zu sagen: Hallo, wir Menschen auf dem Foto sind die, die euch antworten! Wir haben ein Tagebuch geführt, wir haben offen gezeigt, wie wir mit den Vorwürfen umgehen. So konnten sich die Leute selbst ein Bild machen.

VR-Go-Redaktion: Wenn man als Organisation in sozialen Netzwerken unterwegs ist, was kann man da falsch machen?

Melanie Gömmel: Ein No-Go wäre, sich nur als Sender hinzustellen. Also nur eigene Beiträge zu veröffentlichen und nicht auf die Kommentare der Community zu hören. Social Media ist ein Geben und Nehmen. Wer da kein Interesse hat, sich mit den Leuten auszutauschen, ihnen zuzuhören und ihre Kommentare mit aufzunehmen, der hat was falsch verstanden.

VR-Go Ausgabe 5/2014

Die aktuelle Ausgabe von VR-Go erhalten Sie in vielen Volksbanken Raiffeisenbanken.

Finden Sie Ihre Filiale

Das könnte Sie auch interessieren

Gefahren im Internet

Gefahren im Internet

Von Viren bis Spam: Im Internet lauern einige Stolperfallen. Doch man kann sich davor schützen.

mehr

Warum wir Fehler machen dürfen

Fehler machen

GEO-Redakteur Jürgen Schaefer erklärt, warum es hilfreich sein kann, auch mal Fehler zu machen.

mehr