Was ist Freundschaft?

Freundschaftsforscher Dr. Wolfgang Krüger im Interview

"Wer gute Freundschaften hat, lebt 20 Jahre länger", sagt Psychologe Dr. Wolfgang Krüger. Er hat das Buch "Wie man Freunde fürs Leben gewinnt" geschrieben.

VR-Go-Redaktion: In Ihrem Buch steht, Freundschaften sind lebenswichtig. Wirklich?

Dr. Wolfgang Krüger: Ich meine das sehr ernst, ja. Das Hauptproblem unseres Lebens ist die Einsamkeit. Ohne Freunde ist man unsicher, bekommt Angstzustände, Depressionen. Das Immunsystem ist auch schlechter. Menschen, die keine echten Freundschaften haben, leben 20 Jahre kürzer. 

VR-Go-Redaktion: Und was genau macht echte Freundschaft aus?

Dr. Wolfgang Krüger: Im Wesentlichen zwei Dinge: Offenheit und Verlässlichkeit. Einem guten Freund kann ich alles erzählen. Auch Ängste, peinliche Situationen, Träume. Und ich weiß: Den kann ich zu jeder Uhrzeit anrufen, wenn was ist.

VR-Go-Redaktion: Verliert Freundschaft an Bedeutung, wenn es soziale Netzwerke wie Facebook gibt, auf denen man 300 Freunde hat?

Dr. Wolfgang Krüger: Nö. Die Frage, was wahre Freundschaft ist, gibt es schon seit tausend Jahren. Netzwerke wie Facebook sind einfach technische Möglichkeiten, die es erleichtern, miteinander in Kontakt zu bleiben. Das ändert nichts daran, dass die wirklichen Freundschaften es brauchen, dass man sich sieht.

VR-Go-Redaktion: Funktionieren Freundschaften besser, wenn man sich sehr ähnlich oder ganz verschieden ist?

Dr. Wolfgang Krüger: Beides. Ich brauche erst mal Gemeinsamkeiten, wenn ich jemanden kennenlerne. Das ist die Basis. Aber dann brauche ich auch jemanden, der mich ein Stück weit ergänzt.

VR-Go-Redaktion: Wie geht man in Freundschaften mit Streit um?

Dr. Wolfgang Krüger: Es gibt Situationen, da ist man so wütend, dass man einfach rausplauzt. Es ist wichtig, dass so was auch mal geht. Gute Freundschaften werden nach einem Streit stärker. Die schlechten Freundschaften hören einfach auf.

VR-Go-Redaktion: Unterscheiden sich Jungs- und Mädchenfreundschaften voneinander?

Dr. Wolfgang Krüger: Oh ja. Mädchen haben oft eine Clique von drei bis vier Mädchen, die über alles reden: Jungs, den ersten Kuss ... Und dann haben sie meistens noch eine beste Freundin, mit der sie eine sehr enge emotionale Beziehung haben. Das haben Jungs normalerweise nicht.

VR-Go-Redaktion: Warum nicht?

Dr. Wolfgang Krüger: Jungs sind Kerle, Helden. Die reden lieber über sachliche Dinge als über Gefühle. Etwa zwei Drittel aller erwachsenen Männer haben keine engen Freundschaften. Dabei wäre das ganz wichtig für sie. Aber es würde voraussetzen, dass wir die Haltung "Männer müssen immer stark sein" überwinden. Es wäre für Jungs unendlich toll, wenn sie lernen könnten, sich auch mal Schwächen einzugestehen und sich zu helfen.

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