Unternehmen kommt doch von unternehmen.

„Ich suchte die Chance, endlich etwas aufzubauen.“

Der Leipziger Hagen Witruk, Mitglied seit 2005, übernahm im Februar 2005 die Geithainer Emaillierwerke aus der Insolvenz und führt sie bis heute erfolgreich weiter. Mit dem Traditionsunternehmen, das Kochtöpfe produzierte, beschichtet er jetzt Speicher für erneuerbare Energieanlagen.

Geithainer Emaillierwerke

Manchmal fragt sich Hagen Witruk, „warum die Menschen gerade auf mich zukommen, wenn sie verrückte Ideen haben?“ Vielleicht spüren sie, dass der Leipziger auch noch so ausgefallene Gedanken stets aufgreift und weiter spinnt – bis daraus eine Geschäftsidee wächst. „Was soll schiefgehen?“, lautet sein Leitmotiv. Seine Antwort ist immer gleich: „Erst mal anpacken.“ Der 42-Jährige scheint ein Glückspilz – ihm fliegen die Aufgaben einfach zu.

Ein Tausendsassa ist er allemal: Witruks Lebenslauf liest sich wie eine Sammlung toller Geschichten, über die mancher Zuhörer nur den Kopf schüttelt: Das Studium finanzierte er gleich nach der Wende mit einem Zulassungsservice für Autos. „'92“, erinnert er sich, „bekamen alle DDR-Autos neue Kennzeichen.“ Kurzerhand beschafften sich Hagen Witruk und ein Kommilitone Prägemaschinen, klapperten Autohäuser ab, prägten die Kennzeichen, fuhren zur Zulassungsstelle – und kassierten für diese Dienstleistung „ganze Taschen voller Geld.“

Wie gewonnen, so zerronnen: „Damals gaben wir das Geld auch sehr schnell wieder aus“, erinnert er sich an seinen Start als studentischer Jungunternehmer. Es waren wilde Jahre. „Bevor ich nach Südafrika flog, hatte ich noch 120 Mark“, erzählt er, „dafür kaufte ich meiner damaligen Freundin einen Ring.“

In seinen Wilden Jahren sammelte Hagen Witruk viel Erfahrung

Weiter am Südende der Welt: Als Praktikant einer deutschen Firma sollte Hagen Witruk deren Auslieferungslogistik für Dentalkeramik optimieren. Er reiste kreuz und quer durch die Kap- Provinzen, war „mehr auf dem Golfplatz als in der Firma“, flog mit einem Geschäftsfreund im Helikopter zu Fotosafaris. „Das war toll.“

Der Kollege vermittelte Witruk im Anschluss an das Praktikum in Südafrika einen neuen Job in Osteuropa: Eiscreme und Tiefkühlpizza verkaufen in Tschechien und Rumänien. „Dort sah es noch aus wie in Russland 1960“, erzählt Witruk von seinem Leben „aus dem Koffer“.

Zurück in Deutschland, heuerte er bei einer Werttransportfirma an, um deren Logistik für die Umstellung auf den Euro vorzubereiten. Die Schwierigkeiten aber, die dabei mit der Umstellung der Bankterminals auftauchten, hatte niemand voraus gesehen. Die Firma kapitulierte und zog sich vom Markt zurück. Witruk bekam eine neue Aufgabe: Er musste die Filialen abwickeln und die Kollegen entlassen. „Das kann sich keiner vorstellen“, erzählt er über diese Zeit, „ich habe damals gut 1.000 Leute entlassen.“ Rasch merkte er: „Darauf hatte ich einfach keine Lust mehr.“

„Ich suchte die Chance, endlich etwas aufzubauen“

Witruk wollte etwas zum Aufbauen, was hält. „Ich suchte die Chance, etwas zu retten“, sagt Witruk, „immer nur Unternehmen abwickeln ist keine schöne Sache.“ Deshalb war er froh, als sein Freund ihm vom Emaillierwerk in Geithain erzählte. Dort liefen die Geschäfte schleppend, die Firma brauchte einen Vertriebsmann. „Melde dich da mal, ist doch in deiner Heimat“, hatte der Berater die Aufgabe beschrieben.

Anruf. Vorstellungstermin – einen Monat später war Hagen Witruk Vertriebsleiter in Geithain. Wieder aber war es eher ein Himmelfahrt-Kommando. Für Emailletöpfe nämlich – obwohl die Produkte auf eine über 100-jährige Tradition zurückschauten – waren allenfalls noch Koreaner und Japaner zu begeistern. Deshalb flog Witruk nach Ostasien. Dort fand er sich flugs in einem TV-Studio wieder, wo er mit seinem Vertreter aus Korea dem Fernsehpublikum deutsche Töpfe in einer Verkaufsshow anpries.

Ein zähes Geschäft. Das Ende war absehbar, sein Chef beantragte die Insolvenz. „Um ihn in dieser Stunde nicht allein zum Amtsgericht fahren zu lassen“, bot sich Witruk an, mitzukommen. Diese Fahrt brachte seine ganz persönliche Wende: Der Noch-Inhaber des Emaillierwerks fragte Hagen Witruk, ob er eine Idee habe, wie es jetzt weiter gehen könne. Witruk fasste sich ein Herz und schlug vor, statt auf Töpfe doch auf die Produktion von Boilern zu setzen, die in einer Halle auf dem Firmenareal ein Schattendasein fristete. „Darin“, war Witruk überzeugt, „steckt Zukunft“: Emaillierte Kessel brauchen die Betreiber von Solar- oder Wärmepumpenanlagen als Energiespeicher. „Alle redeten von erneuerbarer Energie“, erinnert sich Hagen Witruk, „und von Energiewende – darin entdeckte ich die Zukunft.“

Spontane Begeisterung für eine Rettungsidee

Den Chef begeisterte Hagen Witruk sofort. Auch der Insolvenzverwalter erkannte in der Idee die Lösung – und Witruk übernahm die Firma aus der Insolvenz. „Der große Vorteil war“, sagt er, „dass sowohl der Insolvenzverwalter als auch die Banken das Unternehmen weiterführen wollten.“ Witruk packte an. Er organisierte den Betrieb um, weil er erkannte, „dass es am Markt nur ganz wenige gab, die solche Boiler in unserer Qualität liefern können.“ Seine Vision: „Jeder badet gern in warmem Wasser. Und anstatt einen größeren Brenner zu installieren, kann man das Wasser besser im Boiler warm halten.“ Darauf setzte Witruk, investierte inzwischen fünf Millionen Euro und steigerte die Jahresproduktion von ehemals 15.000 Kesseln zur Zeit der Firmenübernahme in fast zehn Jahren auf 30.000 Boiler. Zudem isoliert er seine Produkte jetzt mit einer speziellen Polyurethanschicht. So bleibt der Inhalt mehr als 24 Stunden lang heiß.

Witruks Firma GEO verbesserte die Performance auch jenseits der eigenen Produktlinie. Heute produzieren drei Solaranlagen auf den Dächern Sonnenstrom, ein Blockheizkraftwerk nutzt die Prozessenergie der Vorbehandlungsanlagen und Wärmepumpen unterstützen die Heizanlage. Weil er seine Kessel in der Erneuerbare-Energien-Branche verkauft, wollte er solche Anlagen auch im eigenen Betrieb. „So passt eins zum anderen“, sagt er und lacht: „Unternehmer, das kommt nicht von ungefähr von unternehmen.“

All das wäre ohne Helfer natürlich nur schwerlich möglich. Als Partner stieg ein alter Freund in Witruks Firma ein. Der „brachte die Volksbank Mitweida mit“, erinnert sich der Unternehmer. Zu deren Beratern hat er inzwischen ein sehr gutes Verhältnis. Das nämlich sei keine Einbahnstraße, betont er. „Wir geben unsere Ideen an die Bank“, beschreibt er diese Kooperation, „die Bank befruchtet uns mit ihren.“ Geben und Nehmen auf Augenhöhe: Der Vorschlag, die Solarkollektoren größer zu dimensionieren, kam beispielsweise vom Bankberater. „Die Volksbank Mitweida kennt sich eben in der Energiebranche aus“, sagt Witruk, „das passt natürlich wunderbar zu uns.“

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