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Derivate im Depot: Für welche Anlageziele sie sinnvoll sein können – und für welche nicht

Kurz und kompakt

  • Derivate sind Finanzprodukte, deren Wert sich vom Preis eines Basiswerts wie Aktien, Rohstoffe oder Indizes ableitet.
  • Mit Derivaten spekulieren Anlegerinnen und Anleger auf bestimmte Marktentwicklungen und damit auf höhere Rendite oder sichern bestehende Anlagen ab.

  • Für Privatanlegerinnen und Privatanleger spielen vor allem Derivat-Wertpapiere wie Optionsscheine und Hebelprodukte eine Rolle.

Derivate einfach erklärt

Ein Derivat ist ein Finanzprodukt, dessen Wert vom Wert einer anderen Bezugsgröße abhängt. Diese Bezugsgröße heißt Basiswert. Als Basiswert kommen zum Beispiel Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen oder Zinssätze infrage.

So funktionieren Derivate

Ein Derivat kann nicht nur die Entwicklung von Aktien abbilden, sondern auch auf Werten von Wechselkursen, Rohstoffen, landwirtschaftlichen Gütern, Wertpapieren oder auf Indizes wie dem DAX beruhen. Diese Werte bilden den sogenannten Basiswert des Derivats. Anlegerinnen und Anleger schätzen die künftige Entwicklung des Basiswerts ein und wählen entsprechend ihrer Markterwartung ein Derivat aus. Je nach Produkt profitieren sie von steigenden oder fallenden Kursen, ohne den Basiswert selbst zu erwerben. Entwickelt sich der Markt entgegen ihrer Erwartung, drohen Verluste.

Dessen Wert wächst, stagniert oder sinkt, je nachdem, ob die Kurse des Basiswerts steigen, stagnieren oder fallen – ohne dass die Anlegerin oder der Anleger das Basisprodukt selbst kaufen muss. So kann die Anlegerin oder der Anleger je nach Anlageform sogar bei leicht fallenden oder stagnierenden Kursen des Basiswerts Gewinn machen. Denn ein Derivat bildet die Wertentwicklung seines Basiswerts nach bestimmten, vorab festgelegten Bedingungen ab. Je nach Produkt setzen die Anlegerinnen und Anleger beispielsweise auf steigende oder fallende Kurse.

Für das Anlageergebnis zählt jedoch nicht immer nur die Richtung des Kurses. Je nach Produkt beeinflussen auch die Stärke und der Zeitpunkt einer Kursbewegung das Ergebnis. Weitere Faktoren wie Laufzeit, Ausmaß der Kursschwankung, Zinsen oder erwartete Dividende beeinflussen bei bestimmten Derivaten ebenfalls den Preis.

Einsatzmöglichkeiten von Derivaten

Für Privatanlegerinnen und Privatanleger stehen vor allem zwei Einsatzmöglichkeiten im Mittelpunkt: Spekulation und Absicherung. Was infrage kommt, hängt vom Anlageziel ab.

Spekulation auf Marktentwicklungen

Bei Derivaten setzen Anlegerinnen und Anleger auf eine erwartete Entwicklung eines Basiswerts. Mit einem Long-Produkt setzen sie auf steigende Kurse, mit einem Short-Produkt auf fallende Kurse. Bei Produkten mit Hebel reicht dafür häufig ein geringer Kapitaleinsatz. Der Hebel verstärkt allerdings nicht nur jene Kursbewegungen, die für die Anlegerin oder den Anleger positiv sind. Entwickelt sich der Markt entgegen der Erwartung, steigen auch die Verluste überproportional.

Bestehende Anlagen absichern: Hedging

Beim Hedging richten Anlegerinnen und Anleger eine ihrer Geldanlagen so aus, dass sie mögliche Verluste einer anderen zumindest teilweise ausgleicht. Beispiel: Jemand besitzt ein Aktiendepot, erwartet für die kommenden Monate fallende Kurse, möchte die Aktien aber trotzdem langfristig behalten. Um das Depot kurzfristig gegen stärkere Verluste abzusichern, kommt beispielsweise ein Put-Optionsschein infrage. Der Wert dieses Derivats kann steigen, wenn der Kurs des zugrundeliegenden Basiswerts fällt.

Die Absicherung ist allerdings nicht kostenlos und beseitigt das Verlustrisiko nicht. Zudem schmälern die Kosten des Derivats die Rendite. Darüber hinaus müssen unter anderem Basiswert und Laufzeit zu der Geldanlage passen, die abgesichert werden soll.

Derivate dienen neben dem Hedging auch der Arbitrage. Dabei nutzen die Anlegerinnen und Anleger Preisunterschiede zwischen Märkten aus, indem sie günstig einen Vermögenswert in einem bestimmten Markt kaufen und gleichzeitig ein Derivat davon verkaufen, das diesen Vermögenswert in einem anderen Markt abbildet. Die geringfügigen Preisunterschiede machen den Profit aus.

Derivate passend zum Anlageziel einsetzen

Nicht jedes Anlageziel spricht für den Einsatz von Derivaten. Entscheidend ist, welche Aufgabe das Produkt im Depot übernehmen soll.

Anlageziel

Eignung von Derivaten

Mögliche Alternative

Langfristig Vermögen aufbauen

Viele Derivate eignen sich eher dazu, kurzfristig auf steigende oder fallende Kurse zu setzen. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind sie meist weniger geeignet.

Breit gestreute ETFs, Aktien

Depot zeitweise absichern

Hier kommen Derivate für Hedging infrage.

Anpassung der Depotaufteilung oder höhere liquide Reserve zur Senkung von Risiken

Von kurzfristigen Kursbewegungen profitieren

Derivate eignen sich vor allem für erfahrene Anlegerinnen und Anleger, die eine konkrete Kursentwicklung innerhalb eines bestimmten Zeitraums erwarten und bewusst hohe Risiken eingehen.

Aktien oder ETFs kommen infrage, wenn Anlegerinnen und Anleger ohne Hebel von steigenden Kursen profitieren möchten.

Kapital möglichst sicher aufbewahren

Zu diesem Ziel passen keine Derivate.

Tages- oder Festgeld

Notfallreserve bilden

Derivate eignen sich nicht als Notfallreserve.

Tagesgeld

Anlagedauer im Blick behalten

Die Anlagedauer gehört zu den wichtigsten Auswahlkriterien für Derivate. Viele Derivate haben eine begrenzte Laufzeit. Eine richtige Einschätzung der langfristigen Kursrichtung reicht deshalb nicht aus. Denn wenn diese Entwicklung nicht innerhalb der Laufzeit des Derivats eintritt, entsteht Verlust.

Damit unterscheiden sich viele Derivate von klassischen Anlagen, die die Anlegerinnen und Anleger kaufen und dann für viele Jahre halten. Wer im Laufe der Zeit Vermögen aufbauen möchte, benötigt häufig keine kurzfristige Marktprognose.

Chancen und Risiken von Derivaten

ChancenRisiken

Bei Hebelprodukten können Sie mit geringem Kapitaleinsatz hohe Rendite erzielen.

Der Hebel verstärkt auch Verluste, bis hin zum Totalverlust.
Derivate lassen sich zur Spekulation auf höhere Rendite Anlegerinnen und Anleger müssen Marktbewegungen und passende 
oder zur Absicherung bestehender Anlagen nutzen.Anlagezeiträume einschätzen können. Fehleinschätzungen führen zu Verlust.
Mit Derivaten lässt sich in unterschiedliche Basiswerte wie Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen investieren.Verschiedene Faktoren wie Restlaufzeit, Kursschwankungen und Zinsniveau beeinflussen den Preis. Das erschwert die Einschätzung der Wertentwicklung.

Eine besondere Form von Derivaten: Hebelprodukte

Klassische Derivate sind auf Anlegerinnen und Anleger zugeschnitten, die davon ausgehen, dass der Kurs des zugrundeliegenden Basiswerts, beispielsweise einer Aktie, am Ende der Laufzeit auf dem ursprünglichen Kurs bzw. leicht darüber oder darunter liegt. Bei einer besonderen Form von Derivaten – den Hebelprodukten – handelt es sich um Wertpapiere, deren Preis den Preis des Basisprodukts überproportional abbildet. Das Bezugsverhältnis zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem des Derivats bezeichnen Börsenmakler als Hebel.

Bei Knock-out-Produkten führt das Erreichen einer festgelegten Schwelle zum weitgehenden oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals. Ein Totalverlust gehört immer zu den zentralen Risiken von Hebelprodukten.

Arten von Derivaten

Optionsschein

Ein Optionsschein verbrieft das Recht, von der Entwicklung eines Basiswerts zu vorher festgelegten Bedingungen zu profitieren. Call-Optionsscheine richten sich auf steigende, Put-Optionsscheine auf fallende Kurse. Neben der Entwicklung des Basiswerts beeinflussen unter anderem Laufzeit und Kursschwankungen den Preis. Bei Produkten mit Hebel entstehen auch hier überproportionale Gewinnchancen bzw. Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust.

Futures

Futures sind standardisierte, börsengehandelte Terminkontrakte. Die Vertragsparteien vereinbaren heute die Bedingungen für ein Geschäft, das zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet. Futures dienen unter anderem zur Spekulation und zum Hedging.

Forwards

Ähnlich wie Futures sind Forwards. Diese werden jedoch, im Gegensatz zu Futures, nicht an der Börse gehandelt. Zwei Parteien vereinbaren den Handel mit Forwards außerbörslich und individuell. Forwards sind deswegen weniger reguliert.

Swaps

Bei Swaps tauschen zwei Parteien vereinbarte Zahlungsströme. Unternehmen und institutionelle Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer nutzen sie beispielsweise zur Steuerung von Zins- oder Währungsrisiken. Für Anlageentscheidungen von Privatanlegerinnen und Privatanlegern besitzen sie eine geringe Bedeutung.

Mögliche Basisprodukte für Derivate

Grafik mit Derivaten in der Mitte und zehn möglichen Basisprodukten um diese verteilt.

Derivate passend zur persönlichen Anlagestrategie

Vor einer Anlageentscheidung helfen vier persönliche Fragen:

  1. Anlageziel: Möchte ich eine bestehende Anlage absichern oder auf eine bestimmte Marktentwicklung setzen?
  2. Kenntnisse: Verstehe ich, welche Faktoren den Wert des Finanzprodukts beeinflussen und unter welchen Bedingungen Verluste entstehen?
  3. Risiko: Verkrafte ich in meiner finanziellen Situation einen hohen Verlust oder sogar den Totalverlust des eingesetzten Kapitals?
  4. Anlagedauer und Aufwand: Passt die Laufzeit zu meinen finanziellen Zielen und habe ich die Zeit, während der Anlagedauer den Markt im Blick zu behalten?

Zusätzlich ist wichtig, wie groß der Anteil ist, den Derivate an Ihrer Investition ausmachen. Ein einzelnes Derivat mit hohem Risiko wirkt sich auf ein breit gestreutes Depot anders aus als auf ein Depot, in dem es einen großen Anteil ausmacht.

Das sollten Sie vor dem Kauf beachten

Derivate unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Funktionsweise und Risiko. Vor einer Anlageentscheidung sollten Anlegerinnen und Anleger das Produkt verstehen. Außerdem müssen sie bereit und finanziell in der Lage sein, mögliche Verluste zu tragen. Bei verbrieften Derivaten zum Beispiel, also bei vielen Zertifikaten und Hebelprodukten, kommt zum Marktrisiko das Emittentenrisiko hinzu. Wenn die Organisation, die das Derivat ausgibt, in Zahlungsschwierigkeiten gerät oder insolvent wird, drohen Verluste bis hin zum Totalverlust.

Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten:

Die hier angebotenen Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise zu einzelnen Arten von Finanzinstrumenten. Sie stellen die Chancen und Risiken der Anlageprodukte nicht abschließend dar und sollen eine ausführliche und umfassende Aufklärung nicht ersetzen. Detaillierte Informationen über Anlagestrategien und einzelne Anlageprodukte, einschließlich damit verbundener Risiken, Ausführungsplätze sowie Kosten und Nebenkosten, stellen wir Ihnen vor Umsetzung einer Anlageentscheidung im Rahmen der Beratung zur Verfügung.

FAQs zu Derivaten

Derivate sind vor allem für Anlegerinnen und Anleger sinnvoll, die entweder auf höhere Rendite spekulieren oder bestehende Anlagen absichern möchten. Dafür benötigen sie ausreichende Kenntnisse über Funktionsweise und Risiken des jeweiligen Derivats sowie eine entsprechende Risikotragfähigkeit.

Komplexe und insbesondere gehebelte Derivate stellen für unerfahrene Anlegerinnen und Anleger keinen sinnvollen Einstieg in die Geldanlage dar. Wer ein solches Produkt nutzt, muss dessen Funktionsweise und Verlustrisiken verstehen.

Ein Derivat kommt insbesondere für das Spekulieren auf Marktentwicklungen oder für das Hedging infrage. Für Notfallreserven oder auf Sicherheit ausgerichtete Sparziele eignen sich andere Anlageformen besser.

Viele Derivate sind eher auf zeitlich begrenzte Anlagestrategien ausgerichtet. Für einen langfristigen Vermögensaufbau sind eher Aktien und ETFs sinnvoll.

Mit Derivaten sichern Anlegerinnen und Anleger ihr Depot gegen mögliche Kursverluste ab. Dafür nutzen Sie beispielsweise Put-Optionsscheine, Put-Optionen oder bestimmte Short-Produkte. Diese gewinnen bei fallenden Kursen des zugrunde liegenden Basiswerts unter sonst gleichen Bedingungen an Wert und gleichen so einen Teil der Depotverluste aus. Wie gut solch eine Absicherung funktioniert, hängt unter anderem von der Zusammensetzung des Depots, dem gewählten Produkt und der Höhe der Absicherung ab. Ein vollständiger Schutz vor Verlusten ist damit nicht garantiert.

Der Hebel verstärkt die Abbildung des Basiswerts. Dadurch entstehen bei geringerem Kapitaleinsatz überproportionale Gewinnchancen. Gleichzeitig verstärkt der Hebel auch mögliche Verluste, was bis zum Totalverlust führen kann.

Mit einer Aktie kaufen Sie einen Anteil an einem Unternehmen. Der Wert eines Derivats hängt hingegen davon ab, wie sich der Wert des zugehörigen Basiswerts oder einer anderen Bezugsgröße entwickelt. Wer ein Derivat einer Aktie kauft, erwirbt dadurch keinen Anteil am betreffenden Unternehmen.

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