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Sparlücke in Deutschland sinkt auf durchschnittlich rund 75 Euro im Monat

Kurz und kompakt

  • Die durchschnittliche monatliche Sparlücke ist gegenüber dem Vorjahr um gut ein Viertel auf rund 75 Euro gesunken – auch weil die Befragten niedrigere Sparbeträge für notwendig halten.

  • Besonders groß bleibt die Differenz zwischen Sparzielen und tatsächlichen Sparbeträgen bei Menschen mit niedrigen Einkommen sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

  • Selbst wenn die Befragten ihre finanziellen Möglichkeiten vollständig ausschöpften, könnten sie ihre Sparziele im Durchschnitt nicht erreichen.

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Sparverhalten, Sparziele und Sparlücke der Befragten im Jahr 2026

Die Menschen in Deutschland kommen ihren persönlichen Sparzielen wieder näher. Nach einer repräsentativen Kantar-Befragung im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) legen sie durchschnittlich rund 200 Euro monatlich zurück. Für ihre finanziellen Ziele halten sie etwa 275 Euro für notwendig. Die monatliche Sparlücke ist damit von mehr als 100 Euro im Vorjahr auf rund 75 Euro gesunken. Das liegt sowohl an leicht gestiegenen Sparbeträgen als auch daran, dass die Befragten niedrigere Beträge für notwendig halten. Die Sparlücke bezeichnet die Differenz zwischen dem selbst eingeschätztem notwendigen Sparbetrag und dem tatsächlich gesparten Betrag.

KennzahlWertBezugsjahr / Erhebungszeitraum
Tatsächlich gesparter Betrag nach Angaben der BefragtenRund 200 Euro monatlich2026
Für die persönlichen Sparziele als notwendig eingeschätzter SparbetragRund 275 Euro monatlich2026
Durchschnittliche SparlückeRund 75 Euro monatlich; 2025 mehr als 100 EuroVergleich 2026 mit 2025
Maximale Sparfähigkeit nach eigener EinschätzungRund 230 Euro monatlich2026

Quelle: Quelle: BVR, Weltspartag 2026 (Pressemitteilung, 20. Oktober 2026) und BVR Volkswirtschaft Kompakt 12/2026; repräsentative Kantar-Umfrage im Auftrag des BVR, Selbstauskünfte der Befragten.

Finanzielle Spielräume bleiben begrenzt

Die BVR-Analyse zum Weltspartag 2026 zeigt: Ein großer Teil der Sparlücke geht auf begrenzte finanzielle Möglichkeiten zurück. Die Befragten schätzen ihre maximale Sparfähigkeit auf knapp 230 Euro monatlich. Da sie für ihre persönlichen Sparziele rund 275 Euro monatlich für nötig halten, blieben selbst bei vollständiger Ausschöpfung dieses Spielraums im Durchschnitt etwa 50 Euro zu wenig. Die tatsächliche Sparlücke ist mit rund 75 Euro monatlich noch größer, weil aktuell im Schnitt etwa 200 Euro gespart werden.

Davon zu unterscheiden ist die gesamtwirtschaftliche Sparquote. Sie beschreibt den Anteil des verfügbaren Einkommens, den private Haushalte sparen. Für 2026 erwartet der BVR eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Quote von 10,1 Prozent. Für 2027 rechnet der BVR mit einem leichten Anstieg der Sparquote.

Einkommen entscheidet über die Sparmöglichkeiten

Wie groß die Sparlücke ausfällt, hängt wesentlich vom monatlichen Nettoeinkommen ab. Menschen mit weniger als 1.000 Euro halten einen Sparbetrag von gut 220 Euro für notwendig, um ihre Sparziele zu erreichen. Tatsächlich legen sie aber nur knapp 90 Euro zurück.

Monatliches NettoeinkommenDurchschnittliche monatliche Sparlücke
Unter 1.000 EuroRund 135 Euro
1.000 bis 2.000 EuroRund 95 Euro
2.000 bis 3.000 EuroRund 70 Euro
3.000 bis 4.000 EuroNahezu ausgeglichen

Menschen mit einem Nettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro sparen im Durchschnitt sogar mehr, als sie zur Erreichung ihrer Ziele für notwendig halten.

Finanzielle Bildung kann nach Einschätzung des BVR helfen, vorhandene Spielräume besser zu nutzen. Fehlende finanzielle Möglichkeiten kann sie jedoch nicht ersetzen.

Junge Menschen haben besonders große Sparlücken

Jugendliche und junge Erwachsene legen bereits erhebliche Beträge zurück. Gleichzeitig ist die Differenz zu ihren persönlichen Sparzielen besonders groß: Die 14- bis 19-Jährigen sparen durchschnittlich rund 100 Euro monatlich, halten aber etwa 240 Euro für notwendig. Bei den 20- bis 29-Jährigen stehen gut 210 Euro monatlichem Sparvolumen einem als notwendig angesehenen Betrag von knapp 380 Euro gegenüber. Ihre monatlichen Sparlücken betragen damit rund 140 beziehungsweise knapp 170 Euro.

Ab einem Alter von 50 Jahren fällt die Differenz deutlich geringer aus. Bei den über 70-Jährigen stimmen die als notwendig angesehenen und die tatsächlichen Sparbeträge nahezu überein.

Die Unterschiede können laut BVR unter anderem mit der Lebensphase, dem Einkommen, vorhandenem Vermögen und unterschiedlichen Sparzielen zusammenhängen. Gerade bei jungen Menschen können neben der Altersvorsorge auch Rücklagen, Ausbildung, Wohneigentum oder größere Anschaffungen eine Rolle spielen. Die Sparlücke ist deshalb nicht mit einer ebenso großen Altersvorsorgelücke gleichzusetzen.

Warum Rekordvermögen wenig über Einzelne aussagt

Das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland erreichte 2025 mit knapp zehn Billionen Euro einen historischen Höchststand. Dieser Rekord sagt jedoch wenig darüber aus, wie gut einzelne Haushalte finanziell aufgestellt sind. Nach der BVR-Analyse haben steigende Preise einen erheblichen Teil des nominalen Vermögenszuwachses aufgezehrt. Zudem ist das Vermögen ungleich verteilt.

Ein hoher Gesamtbestand bedeutet deshalb nicht, dass mehr Menschen über ausreichende Rücklagen verfügen oder ihre monatlichen Sparziele erreichen können.

Sparziele und Anlagehorizont zusammen betrachten

Für Sparerinnen und Sparer kommt es neben der möglichen Sparsumme auch darauf an, wann sie das Geld benötigen. Die BVR-Studie unterscheidet zwischen kurzfristigen Rücklagen, bei denen Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit wichtig sind, und langfristigen Sparzielen. Für Letztere können die Renditechancen breit gestreuter Kapitalmarktanlagen an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung sind ausreichende Rücklagen und die Fähigkeit, zwischenzeitliche Wertverluste auszuhalten.

Gerade junge Menschen verfügen über einen langen Zeitraum für den Vermögensaufbau. Regelmäßige Einzahlungen und wiederangelegte Erträge können helfen, langfristig vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

„Regelmäßiges Sparen ist die Grundlage für finanzielle Sicherheit und langfristigen Vermögensaufbau“, betont BVR-Präsidentin Marija Kolak.

Frühstart-Rente als Einstieg in die Vorsorge

Eine Chance für einen frühen Einstieg sieht der BVR in der geplanten Frühstart-Rente. Ihr Grundgedanke ist, durch staatlich finanzierte Beiträge frühzeitig in den Aufbau eines eigenen Vorsorgevermögens einzusteigen.

Der BVR fordert, dass junge Menschen die Vorsorge nach dem 18. Lebensjahr unkompliziert in einem geförderten Altersvorsorgedepot fortführen und durch eigene Beiträge ergänzen können. Entscheidend seien transparente Angebote und echte Wahlmöglichkeiten. Ob daraus eine dauerhafte Beschäftigung mit der eigenen Vorsorge entsteht, hängt nach Einschätzung des BVR wesentlich von der weiteren Ausgestaltung der Frühstart-Rente ab.