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DZ BANK und BVR: Investitionsbereitschaft im Mittelstand fällt auf Allzeittief

Kurz und kompakt

  • Nur noch 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen in den kommenden sechs Monaten Investitionen.

  • Bürokratie bleibt die größte Belastung. Zugleich gewinnen Energie-, Rohstoff- und Materialkosten sowie Lieferengpässe an Bedeutung.

  • DZ BANK und BVR sehen die Wettbewerbsfähigkeit unter Druck und fordern mehr Spielraum für private Investitionen.

Studie zeigt angespannte Lage im Mittelstand

Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 gefallen. Das zeigt die aktuelle Gemeinschaftsstudie von DZ BANK und Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Mehr als 1.000 mittelständische Unternehmen haben an der repräsentativen Befragung teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen zugleich Belastungen und einzelne positive Signale.

Nur noch gut die Hälfte der mittelständischen Unternehmen plant Investitionen

Nur noch 52 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb investieren. Damit liegt die Investitionsbereitschaft niedriger als während der Finanzkrise, der Corona-Pandemie oder der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Auch die Geschäftserwartungen bleiben verhalten. 26 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer besseren geschäftlichen Lage. 20 Prozent erwarten dagegen eine Verschlechterung. Im Vergleich zur vorherigen Befragung im Herbst 2025 hat sich der Ausblick damit kaum verändert. Viele Unternehmen sichern derzeit vor allem ihre laufenden Geschäfte ab. Größere Vorhaben, Wachstum und Expansion rücken laut DZ BANK häufiger in den Hintergrund oder verlagern sich ins Ausland.

Bürokratie bleibt die größte Belastung

74 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Bürokratie als wesentliches Problem. Damit bleibt sie der größte Belastungsfaktor für den Mittelstand. Im Herbst 2025 lag der Anteil noch bei 80 Prozent. Deutlich gestiegen sind zugleich die Sorgen rund um Energie, Rohstoffe und Materialien. 67 Prozent der Unternehmen sehen die Energiekosten als Problem. Sechs Monate zuvor waren es 53 Prozent. Bei den Rohstoff- und Materialkosten stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von 43 auf 57 Prozent. Damit liegen diese beiden Themen inzwischen vor dem Fachkräftemangel, den 56 Prozent nennen, und den Lohnkosten mit 53 Prozent. Besonders stark spüren Unternehmen aus der Chemieindustrie, der Agrarwirtschaft und dem Ernährungsgewerbe die hohen Energiekosten.

Lieferengpässe und Preiserhöhungen nehmen zu

Auch die Versorgung mit Materialien und Vorprodukten bereitet wieder mehr Unternehmen Sorgen. 31 Prozent berichten von Lieferengpässen oder verspäteten Lieferungen. Im Herbst 2025 waren es 18 Prozent. Besonders häufig nennen Unternehmen aus der Elektroindustrie sowie aus der Chemie- und Kunststoffbranche diese Herausforderung. In beiden Bereichen ist etwa jedes zweite Unternehmen von Lieferengpässen betroffen. Der wachsende Kostendruck wirkt sich auch auf die Preisplanung aus. 43 Prozent der Mittelständler wollen ihre Preise in den kommenden sechs Monaten erhöhen. Nur knapp 5 Prozent rechnen mit sinkenden Preisen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Baugewerbe. Dort stieg der Anteil der Unternehmen mit geplanten Preiserhöhungen seit Herbst 2025 um 25 Prozentpunkte auf 63 Prozent.

Geschäftslage hellt sich auf, der Ausblick bleibt vorsichtig

Trotz der zahlreichen Belastungen bewerten viele Unternehmen ihre aktuelle Lage positiv. 71 Prozent schätzen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut ein. 29 Prozent bewerten sie als eher schlecht oder schlecht. Besonders angespannt bleibt die Lage im Agrarsektor. Dort äußern sich 45 Prozent negativ. Im Metall-, Kfz- und Maschinenbau liegt dieser Anteil bei 34 Prozent. Nach Einschätzung der DZ BANK profitiert die aktuelle Situation unter anderem von einer verbesserten Auftragslage und höheren Auftragsbeständen aus den vorangegangenen Monaten. Beim Blick auf die kommenden sechs Monate überwiegt jedoch die Vorsicht. Vor allem im Handel, in der Chemie und in der Agrarwirtschaft haben sich die Erwartungen verschlechtert.

Mittelstand plant leichten Personalaufbau

Die Beschäftigungserwartungen fallen etwas besser aus als die Investitionspläne. 16 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihren Personalbestand erweitern. 11 Prozent planen einen Stellenabbau. Damit beabsichtigt eine knappe Mehrheit trotz höherer Kosten einen moderaten Aufbau der Belegschaft. Die DZ BANK führt diese Entwicklung unter anderem auf den demografischen Wandel zurück. Viele Beschäftigte aus der geburtenstarken Generation erreichen das Rentenalter. Unternehmen müssen frei werdende Stellen neu besetzen und Fachwissen im Betrieb sichern. Gleichzeitig beschreibt die DZ BANK den Arbeitsmarkt derzeit als arbeitgeberfreundlicher. Firmen treffen damit in einigen Bereichen auf mehr Bewerberinnen und Bewerber als in den vergangenen Jahren. Das kann Neueinstellungen erleichtern, auch wenn die wirtschaftliche Unsicherheit bestehen bleibt.

Mehr Mittelständler sind im Ausland aktiv

Während die wirtschaftliche Entwicklung im Inland schwach bleibt, erschließen mehr mittelständische Unternehmen Märkte außerhalb Deutschlands. Knapp 54 Prozent der Befragten sind inzwischen im Ausland aktiv. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2024. Aus Sicht der DZ BANK zeigt diese Entwicklung, wie Unternehmen auf die schwierigen Bedingungen im Inland reagieren. Viele Betriebe konzentrieren sich hierzulande auf Liquidität, Kostenkontrolle und stabile Lieferketten. Wachstum und Expansion finden dagegen häufiger außerhalb Deutschlands statt. Zugleich sieht die DZ BANK einzelne Geschäftsfelder, in denen Unternehmen auch im Inland neue Nachfrage erwarten. Dazu zählen Infrastruktur für die Energie- und Wärmewende, der Verteidigungsbereich sowie digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz.

DZ BANK sieht ein Warnsignal für die Wettbewerbsfähigkeit

Stefan Beismann, Firmenkundenvorstand der DZ BANK, bezeichnet das Allzeittief bei der Investitionsbereitschaft als Warnsignal für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Viele mittelständische Unternehmen stehen laut Beismann gleichzeitig vor mehreren Herausforderungen. Dazu gehören eine schwache Nachfrage, steigende Kosten und geopolitische Unsicherheit. In dieser Lage richten viele Betriebe ihren Blick stärker auf die Sicherung ihrer finanziellen Mittel, die Kontrolle ihrer Kosten und verlässliche Lieferketten. Investitionen dienen deshalb derzeit häufig dazu, bestehende Strukturen zu erhalten. Größere Wachstumsprojekte verlieren dagegen an Bedeutung. Ausnahmen sieht die DZ BANK vor allem dort, wo wirtschaftlicher Wandel neue Nachfrage schafft –etwa in der Energieversorgung, bei digitalen Lösungen und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz.

BVR fordert mehr Spielraum für private Investitionen

Marija Kolak, Präsidentin des BVR, sieht in der verschlechterten Bilanzqualität ein Spiegelbild der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Viele Unternehmen greifen auf ihre Reserven zurück, tragen hohe Kosten und verschieben Investitionen. Zugleich verweist Kolak auf die Bedeutung zukunftsgerichteter Vorhaben. Besonders Investitionen in Künstliche Intelligenz könnten aus ihrer Sicht die Wettbewerbsfähigkeit und die Ertragskraft der Unternehmen stärken. Der BVR bewertet einzelne Ansätze des Reformpakets der Bundesregierung positiv, darunter Maßnahmen für einfachere Investitionen und weniger Bürokratie. Bei den steuerpolitischen Beschlüssen sieht der Verband jedoch Nachbesserungsbedarf. Der BVR fordert ein stimmiges Reformpaket, das den Unternehmen verlässlich mehr finanziellen und unternehmerischen Spielraum für private Investitionen eröffnet.

Bilanzqualität fällt auf den niedrigsten Stand seit 2012

Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche zeigt sich auch in den Bilanzen des Mittelstands. Der Bilanzqualitätsindex sank nach ersten vorläufigen Berechnungen für 2025 um 10,4 Punkte auf 114,3 Punkte. Damit liegt er so niedrig wie zuletzt im Jahr 2012. Der Bilanzqualitätsindex ist eine gemeinsame Kennzahl von DZ BANK und BVR. Er fasst fünf betriebswirtschaftliche Kennziffern aus der VR Bilanzanalyse mittelständischer Firmenkunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu einem auf 100 normierten Indexwert zusammen. Als Basis dienen die Jahre 2001 bis 2010. In den Index fließen die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität, der Gesamtkapitalumschlag, die Liquidität 2. Grades und der dynamische Verschuldungsgrad ein.

Wesentliche Gründe sind die gesunkene Eigenkapitalquote und der gestiegene dynamische Verschuldungsgrad. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote fiel von 30,7 Prozent im Jahr 2024 auf 26,5 Prozent im Jahr 2025. Besonders deutlich verschlechterte sie sich im Baugewerbe und im Handel. Gleichzeitig stieg der dynamische Verschuldungsgrad auf 364,5 Prozent. 

Künstliche Intelligenz verbreitet sich im Mittelstand

Neben der wirtschaftlichen Lage untersucht die Studie auch den Einsatz digitaler Technologien. Besonders stark hat die Nutzung Künstlicher Intelligenz zugenommen. Im Jahr 2018 setzten 8 Prozent der befragten Mittelständler KI ein. Inzwischen liegt der Anteil bei 58 Prozent. Damit nutzen Unternehmen Künstliche Intelligenz beinahe genauso häufig wie das Internet der Dinge, das ebenfalls bei 58 Prozent zum Einsatz kommt. Die Entwicklung zeigt, dass digitale Anwendungen in vielen mittelständischen Betrieben zum Arbeitsalltag gehören. Gleichzeitig nutzt etwa jedes sechste Unternehmen weiterhin keine der in der Studie abgefragten digitalen Technologien. Damit bestehen zwischen den Unternehmen weiterhin deutliche Unterschiede bei der digitalen Entwicklung und bei der Nutzung neuer technischer Möglichkeiten.

Über die Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“

Für die aktuelle VR Mittelstandsumfrage befragten die Studienverantwortlichen zwischen dem 2. März und dem 17. April 2026 mehr als 1.000 Inhaberinnen, Inhaber und Geschäftsführende mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Die repräsentative Erhebung fand über Telefon- und Online-Interviews statt. Ergänzend wertet die VR Bilanzanalyse die Jahresabschlüsse mittelständischer Firmenkunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken aus. Für die Jahre 2001 bis 2025 flossen fast 2,6 Millionen Abschlüsse in die Analyse ein. Für das Jahr 2025 lagen zum Zeitpunkt der Auswertung rund 550 Abschlüsse vor. Die vollständige Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“ stellt der BVR online zur Verfügung.