Das 70-30-Portfolio: Eine bewährte Strategie für nachhaltiges Investieren

Kurz und kompakt

  • Das 70-30-Portfolio kombiniert Aktien aus Industrieländern und Schwellenländern und zielt auf eine breite weltweite Streuung des Risikos (Diversifikation) ab.

  • Die Strategie richtet sich an langfristig orientierte Anlegende, die Kursschwankungen aushalten können und auf Wachstum setzen.

  • Regelmäßiges Rebalancing hilft, das Risiko konstant zu halten und die ursprüngliche Gewichtung beizubehalten.

Eine einfache und bequeme Orientierung

Wenn Sie in Aktien oder auch Exchange Traded Funds (ETFs) investieren, stellt sich irgendwann die Frage, wie sehr Sie Ihr Depot streuen. Ob Sie eher ein Faible für deutsche Wertpapiere haben oder international agieren möchten, mag einerseits Geschmackssache sein. Andererseits gibt es wissenschaftliche Disziplinen, die sich mit der idealen Ausrichtung beschäftigen. Mit dem sogenannten 70-30-Portfolio richten Sie Ihre Wertpapiere einfach und zugleich bewährt aus.

Was ist das 70-30-Portfolio?

Das 70-30-Portfolio ist eine einfache Strategie, mit der Sie Ihr Aktiendepot weltweit streuen können. Es teilt das investierte Kapital im festen Verhältnis auf: 70 Prozent entfallen auf Aktien aus Industrieländern, beispielsweise aus Europa und Nordamerika. Die restlichen 30 Prozent entfallen auf Aktien aus Schwellenländern, beispielsweise aus Lateinamerika, dem Nahen Osten oder einigen Regionen Asiens. Dadurch erhalten Sie einerseits Stabilität. Andererseits konzentrieren Sie sich auf Wachstum und kombinieren damit verschiedene Chancen und Risiken der Börsenwelt. Die Strategie hilft Ihnen dabei, Ihr Portfolio bewusst auf guten und stabilen Chancen für den Vermögensaufbau auszurichten. Zudem reduziert das 70-30-Portfolio größere Risiken, da es wirtschaftlich instabilere Regionen begrenzt.

Zusammensetzung: Woraus besteht das 70-30-Portfolio?

Das 70-30-Portfolio besteht ausschließlich aus Aktienanlagen und unterscheidet sich nach der wirtschaftlichen Entwicklungsstufe der Länder, in denen die Unternehmen ansässig sind.

Industrieländer: Der Anteil der Aktien aus Industrieländern beträgt 70 Prozent des Portfolios. Wenn Sie Regionen wie Europa oder auch die USA so hoch gewichten, erhalten Sie einen größeren und stabilen Portfolio-Anteil. Die Aktienmärkte in diesen Ländern sind oft seit Jahrzehnten etabliert. Zudem lassen sich die Aktien in der Regel gut handeln. Die Märkte sind von den gesetzgebenden Stellen gut reguliert.

Schwellenländer: Schwellenländer machen 30 Prozent des Portfolios aus und dienen als Wachstumsbaustein. Die dortigen Märkte entwickeln sich dynamischer. Sie reagieren aber auch empfindlicher, wenn sich die Wirtschaft oder politische Situation in der jeweiligen Region verändert. Die geringere Gewichtung begrenzt das zusätzliche Risiko. Ihre Chance auf eine überproportionale Rendite bleibt bei den teilweise aufstrebenden Märkten jedoch erhalten.

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Ziel der Anlagestrategie des 70-30-Portfolios

Das Ziel des 70-30-Portfolios ist ein langfristig ausgewogenes Verhältnis zwischen Ertrag und Risiko. Die feste Gewichtung schafft eine klare Struktur und hilft Anlegenden, diszipliniert investiert zu bleiben – auch in schwankenden Marktphasen. Gleichzeitig ermöglicht die Strategie eine globale Streuung, ohne das Portfolio unnötig komplex zu machen. Sie vermeiden so umständlich Einzelentscheidungen.

Zeithorizont, Rendite und Anlageklassen

Das 70-30-Portfolio richtet sich an Anlegende mit einem langfristigen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren. In diesem Zeitraum können sich Kursschwankungen ausgleichen und Wachstumsphasen besser nutzen lassen. Da Sie beim 70-30-Portfolio ausschließlich in Aktien investieren, zielt die Strategie auf eine höhere langfristige Rendite als bei anderen Anlageformen wie Anleihen oder Edelmetallen. Dafür müssen Sie jedoch zwischenzeitliche Wertverluste in Kauf nehmen. Als Anlageklasse kommen in der Regel breit gestreute Aktien-ETFs oder auch einzelne Aktien zum Einsatz.

Die Haltedauer bei Aktien

Wenn Sie in Aktien investieren, peilen Sie stets eine Haltedauer von mindestens ca. 10 bis 15 Jahren an. Das minimiert Schwankungen und maximiert Ihre Chance auf Rendite. Das 70-30-Portfolio verändert bei einem Aktienansatz nicht den zeitlichen Ansatz, es verteilt die Risiken und die Chancen nach Regionen.

Chancen und Vorteile des 70-30-Portfolios

VorteilErklärung
Breite globale StreuungWenn Sie einen Anteil aus Industrie- und Schwellenländern kombinieren, investieren Sie weltweit. Sie reduzieren das Risiko, von einzelnen Ländern oder Regionen abhängig zu sein.
Attraktive langfristige RenditechancenSchwellenländer bieten häufig höhere Wachstumsraten. Industrieländer sorgen dahingegen für weitgehende Stabilität. Die Kombination ermöglicht Ihnen eine Chance auf attraktive Renditen.
Klare und einfache StrukturDie feste 70-30-Gewichtung ist leicht verständlich und gut umsetzbar. Das gilt besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger.
Disziplin durch feste GewichtungDie klare Aufteilung erleichtert regelmäßiges Überprüfen und neues Ausrichten des eigenen Portfolios und hilft, emotionale Anlageentscheidungen zu vermeiden.
Gut geeignet für SparpläneDas 70-30-Portfolio lässt sich problemlos mit monatlichen Sparraten umsetzen, indem Sie beispielsweise in ETFs investieren. So können Sie Ihr Portfolio schrittweise aufbauen.

70-30-Portfolio: Darauf sollten Sie bei der Auswahl der ETFs achten

Sie können für Ihr 70-30-Portfolio in ETFs oder einzelne Aktien investieren. Wenn Sie die Strategie mit kostengünstigen Indexfonds umsetzen möchten, sind einige wichtige Kennzahlen entscheidend für Ihre Auswahl. Die folgenden grundlegenden Kriterien helfen Ihnen dabei, passende Produkte auszuwählen.

  • Kosten (Total Expense Ratio, TER): Eine niedrige Gesamtkostenquote verbessert die Renditechancen, da laufende Kosten direkt die Wertentwicklung mindern.
  • Fondsvolumen: Ein ausreichend großes Fondsvolumen spricht für eine gute Handelbarkeit und senkt das Risiko einer Fondsauflösung.
  • Ausschüttend oder thesaurierend: Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden direkt an Sie aus. Thesaurierende Passivfonds legen die Dividenden automatisch wieder für Sie an. Die Wahl hängt von der persönlichen Strategie ab. Gerade bei den größeren Weltindizes gibt es häufig eine ausschüttende und eine thesaurierende Variante.
  • Replikationsmethode: Physisch replizierende ETFs kaufen die enthaltenen Aktien direkt, synthetische ETFs bilden den Index über Tauschgeschäfte nach. Nur mit einem physischen ETF können Sie sicher sein, dass Sie die zugrunde liegenden Aktien eines Index wirklich halten und von deren Wertentwicklung profitieren.
  • Währung: Die Fondswährung beeinflusst die Rendite nicht. Währungsschwankungen der enthaltenen Aktien wirken sich jedoch auf die Wertentwicklung aus.
  • Regionale und sektorale Schwerpunkte: Ein Blick auf Länder- und Branchengewichtungen hilft, ungewollte Klumpenrisiken wie beispielsweise einen Schwerpunkt in US-amerikanische Aktien oder im Technologiesektor im eigenen Portfolio zu vermeiden.

Beispiele für ETFs und gängige Indexanbieter

Für die Umsetzung eines 70-30-Portfolios mithilfe von ETFs greifen Anlegende in der Praxis meist auf breit gestreute Aktienindizes zurück. Für den Anteil der Industrieländer werden häufig Indizes wie der MSCI World oder der FTSE Developed genutzt. Sie bilden große und mittelgroße Unternehmen aus wirtschaftlich entwickelten Staaten ab. Den Schwellenländer-Anteil können Sie hingegen über Indizes wie den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging Markets umsetzen. ETF-Anbieter wie iShares, Xtrackers, Vanguard, Amundi oder SPDR stellen entsprechende Produkte bereit. Entscheidend ist weniger der Anbieter selbst. Wichtig ist, dass Sie einen ETF finden, der eine Region oder mehrere Regionen nach Ihren Vorstellungen und Ihren Konditionen abbildet.

Beispiel für ein 70-30-Portfolio

Portfolio-BestandteilIndexGewichtung
Industrieländer-ETFMSCI World oder FTSE Developed70 %
Schwellenländer-ETFMSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging Markets30 %

Dieses Beispiel zeigt die klassische Umsetzung mit zwei ETFs. Die Gewichtung halten Sie einerseits über Sparraten konstant. Andererseits sollten Sie auch regelmäßig einige Anteile der besser gelaufenen ETFs verkaufen und in den jeweils anderen Teil investieren, um die ursprüngliche Aufteilung gleich zu halten. Diesen Prozess nennt man Rebalancing.

70-30-Portfolio in wenigen Schritten umsetzen

  1. Depot eröffnen: Voraussetzung ist ein Wertpapierdepot, das den Handel von ETFs und Sparplänen ermöglicht. Viele Banken und Online-Broker bieten dafür einfache Lösungen.
  2. ETFs auswählen: Wählen Sie jeweils verschiedene Aktien oder einen ETF aus, die zu Ihrer Anlagestrategie und Ihrem Risikoprofil passen.
  3. Sparrate festlegen: Bestimmen Sie eine monatliche Sparrate und teilen Sie diese im Verhältnis 70 % zu 30 % auf beide Portfolio-Anteile auf.
  4. Rebalancing beachten: Prüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob die Gewichtung noch stimmt, und passen Sie sie bei Bedarf an.

Alternative zum klassischen Weltportfolio

Manche Anlegende bevorzugen eine noch einfachere Lösung und setzen statt zwei ETFs oder verschiedener Einzelaktien auf einen All-World-ETF. Dieser bildet Industrie- und Schwellenländer in einem Produkt ab, meist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Dies verringert den Verwaltungsaufwand, da kein Rebalancing zwischen zwei ETFs nötig ist. Es gibt hier aber auch einen Nachteil. Denn die Gewichtung entspricht nicht zwingend dem klassischen 70-30-Ansatz, da Schwellenländer häufig niedriger gewichtet sind. Ob ein All-World-ETF oder das klassische 70-30-Portfolio besser für Sie geeignet ist, hängt daher vor allem von Ihren Präferenzen ab. Für den langfristig orientierten Vermögensaufbau begehen Sie bei beiden Ansätzen in der Regel keinen Fehler, wenn Sie bereit sind, die Produkte über viele Jahre zu halten.

Alternative Definition des 70-30-Portfolios: Aktien und Anleihen

Der Begriff 70-30-Portfolio wird nicht einheitlich verwendet. Häufig steht er auch für eine Mischung aus 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen. In diesem Fall beschreibt das Verhältnis nicht die regionale Streuung, sondern die Aufteilung nach Anlageklassen. Ein solches Portfolio richtet sich vor allem an Anlegende, die Wert auf geringere Schwankungen legen. Der Anleihenanteil kann Kurseinbrüche an den Aktienmärkten abfedern und für stabilere Wertentwicklungen und Renditemöglichkeiten durch die Anleihezinsen sorgen. Gleichzeitig sinken jedoch die langfristigen Renditechancen im Vergleich zu einem reinen Aktienportfolio.

Welche Definition des 70-30-Portfolios sinnvoller ist, hängt vom persönlichen Risikoprofil, dem Anlagehorizont und den individuellen Zielen ab. Für langfristig orientierte Anlegende mit hoher Risikobereitschaft steht meist die Aktiengewichtung im Vordergrund.

Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten:

Die hier angebotenen Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise zu einzelnen Arten von Finanzinstrumenten. Sie stellen die Chancen und Risiken der Anlageprodukte nicht abschließend dar und sollen eine ausführliche und umfassende Aufklärung nicht ersetzen. Detaillierte Informationen über Anlagestrategien und einzelne Anlageprodukte, einschließlich damit verbundener Risiken, Ausführungsplätze sowie Kosten und Nebenkosten, stellen wir Ihnen vor Umsetzung einer Anlageentscheidung im Rahmen der Beratung zur Verfügung.

FAQs zum 70-30-Portfolio

Ein 70-30-Portfolio beschreibt eine feste Gewichtung von zwei Anlagebausteinen. Meist sind damit 70 Prozent Aktien aus Industrieländern und 30 Prozent Aktien aus Schwellenländern gemeint. Ziel ist eine breite weltweite Streuung mit höheren Wachstumschancen als bei rein entwickelten Märkten. Alternativ steht 70-30 teilweise auch für eine Mischung aus 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen.

Ein 70-30-Portfolio eignet sich vor allem für langfristig orientierte Anlegende mit einer erhöhten Risikobereitschaft. Wenn Sie Aktien stärker gewichten, führt das in der Regel zu höheren Kursschwankungen. Der Ansatz bietet Ihnen aber auch langfristig attraktive Renditechancen. Besonders sinnvoll ist die Strategie bei einem Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren. Wer kurzfristige Verluste schlecht aushält, sollte defensivere Anlageklassen in Betracht ziehen.

In der Praxis hat sich ein jährliches oder halbjährliches Rebalancing bewährt. Dabei wird die ursprüngliche Gewichtung von 70-30 wiederhergestellt, wenn sich diese durch Kursentwicklungen verschoben hat. Das Rebalancing hilft, das Risiko konstant zu halten und emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden. Häufigeres Umschichten ist in der Regel nicht notwendig.

Grundsätzlich ja, sofern Einsteigerinnen und Einsteiger die Schwankungen eines Aktienportfolios akzeptieren können. Die Struktur ist einfach, transparent und mit wenigen ETFs umsetzbar. Wichtig ist, die Strategie langfristig durchzuhalten und auch in schwächeren Marktphasen investiert zu bleiben. Eine gute Grundkenntnis über ETFs und Märkte ist dennoch empfehlenswert.

Langfristig werden für ein globales Aktienportfolio wie das 70-30-Modell durchschnittliche Renditen von etwa 6 bis 8 Prozent pro Jahr erwartet. Schwellenländer können die Rendite erhöhen, bringen aber auch eine zusätzliche Volatilität mit sich. Kurzfristige Abweichungen nach oben oder unten sind normal und sollten einkalkuliert werden. Entscheidend ist der lange Anlagehorizont, nicht die Entwicklung einzelner Jahre.

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