Kurz und kompakt

  • Rebalancing bringt in einem breit gestreuten Anlageportfolio die ursprüngliche Vermögensaufteilung wieder ins Gleichgewicht

  • Es sorgt dafür, dass Ihr Portfolio nicht unbemerkt einem höheren Risiko ausgesetzt ist, wenn einzelne Anlageklassen stark im Wert steigen oder fallen.

  • Ein Rebalancing erfolgt planmäßig in festen Zeitabständen oder bei deutlichen Abweichungen von der Zielverteilung. Dabei schichten Sie gezielt um, entweder indem Sie einzelne Positionen oder Teile verkaufen oder kaufen.

  • Die Methode hilft, das Risiko zu steuern und die eigene Strategie konsequent umzusetzen. 

Wie Sie Ihr Vermögen in die Grundstruktur zurückführen

Das eigene Vermögen ist mehr als nur ein finanzielles Polster. Es dient der Ruhestandsplanung, der Vorsorge für schlechte Zeiten und auch einer gewissen finanziellen Flexibilität. Umso wichtiger, dass es gut strukturiert ist und viele verschiedene Vermögenswerte bedient. Wenn die Struktur des eigenen Vermögens aus den Fugen gerät, ist ein Rebalancing ratsam. Dabei ist es nebensächlich, ob es sich um 10.000 Euro oder 100.000 Euro handelt: Ein Rebalancing ist für jeden Vermögenden gelegentlich wichtig.

Was ist Rebalancing?

Rebalancing bedeutet, dass Sie Ihr Portfolio regelmäßig wieder in die Balance bringen. Dabei gleichen Sie die Gewichtung einzelner Anlageklassen an die ursprüngliche Zielverteilung (Allokation) an. Wenn zum Beispiel Aktien durch starke Kursgewinne einen größeren Anteil am Gesamtvermögen einnehmen als ursprünglich geplant, verkaufen Sie einen Teil des Aktienportfolios. Das frei gewordene Kapital investieren Sie in andere Anlageklassen wie Anleihen oder Tagesgeld.

Was bringt ein Rebalancing?

Mit einem Rebalancing steuern Sie das Risiko Ihrer Investitionen aktiv. Wenn Sie nichts tun, kann sich nicht nur die Gewichtung der Anlageklassen durch Kursschwankungen stark verschieben, sondern auch das Risiko und die Renditemöglichkeiten. Ein ursprünglich ausgewogenes Portfolio kann durch weniger Balance riskanter oder defensiver werden. Mit dem Rebalancing stellen Sie daher nicht nur Ihre Vermögensaufteilung wieder her. Sie sorgen zudem dafür, dass Sie mit Ihrer angestrebten Rendite die von Ihnen anvisierte Rendite erzielen.

Regelmäßig oder ereignisgesteuert

Rebalancing kann einerseits nach festen Zeitintervallen stattfinden. Sie können sich beispielsweise vornehmen, Ihr Depot einmal im Jahr oder im Vierteljahr zu überprüfen. Alternativ reagieren Sie flexibel auf Marktbewegungen und Veränderungen, indem Sie zum Beispiel bei einer Abweichung von mehr als fünf Prozent von Ihrer Zielquote eingreifen. Diese ereignisbasierte Methode erfordert zwar mehr Aufmerksamkeit, vermeidet aber zugleich unnötige und kleinere Anpassungen. Sowohl Privatanlegende als auch mit der Vermögensverwaltung Dritter beauftragte Personen und institutionelle Anlegende nutzen Rebalancing, um ihre Anlagestrategien konsequent umzusetzen.

So funktioniert's

Rebalancing läuft in drei klaren Schritten ab: Zuerst prüfen Sie, wie weit Ihr Portfolio von der angestrebten Gewichtung abweicht. Danach entscheiden Sie, welche Anlagen Sie verkaufen oder zukaufen, um die ursprüngliche Balance wiederherzustellen. Das kann auf verschiedene Arten geschehen. Beim Pro-rata-Verkauf verkaufen Sie alle übergewichteten Positionen anteilig. Beim Cashflow-Rebalancing lenken Sie neue Einzahlungen gezielt in untergewichtete Anlageklassen. Beim schwellenwertbasierten Rebalancing greifen Sie nur ein, wenn eine Anlageklasse eine bestimmte Abweichung über- oder unterschreitet. Entscheidend ist, dass Sie einen Ansatz wählen und ihn konsequent befolgen.

So bauen Sie mit Aktien Schritt für Schritt Vermögen auf

Aktien kaufen

Aktien sind eine Anlagemöglichkeit, die Chancen und Risiken birgt. Informieren Sie sich hier über den Aktienkauf als flexible Form der Geldanlage.

Beispielrechnung

Stellen Sie sich vor, Sie möchten 60 Prozent in Aktien-ETFs investieren. Die restlichen 40 Prozent legen Sie in Anleihen an. Aktuell halten Sie 45.000 Euro im ETF und 15.000 Euro in Anleihen. Ihre Anlage ist also stärker in Aktien investiert als gewünscht. Insgesamt beträgt Ihr Vermögen 60.000 Euro. Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, müssten 60 Prozent davon im ETF liegen. Das entspricht einem Wert von 36.000 Euro. Zudem sollten Sie planmäßig 24.000 Euro in Anleihen investiert haben.

Variante 1: Sie schichten direkt um

Sie verkaufen ETF-Anteile im Wert von 9.000 Euro und investieren diesen Betrag in Anleihen. So erreichen Sie sofort wieder Ihre Zielaufteilung. Die Formel dazu lautet:

Aktueller ETF-Betrag - Zielbetrag = Umschichtungsbetrag

In diesem Fall also: 45.000 € - 36.000 € = 9.000 €

Beachten Sie dabei mögliche Verkaufsgebühren oder Steuern auf Kursgewinne.

Variante 2: Neue Mittel gezielt einsetzen

Sie planen eine Einmalanlage von 20.000 Euro, zum Beispiel nach einer Erbschaft. Dann können Sie das Rebalancing ohne Verkäufe umsetzen. Um Ihre Zielaufteilung zu erreichen, sollten Sie 15.000 Euro in Anleihen investieren und nur 5.000 Euro in den Aktien-ETF. Damit liegen anschließend 50.000 Euro im ETF und 30.000 Euro in Anleihen. Das entspricht ebenfalls exakt dem Verhältnis von 60 zu 40. Auch hier hilft eine einfache Rechnung, mit der Sie sofort sehen, wie viel Geld nach Ihren Neuinvestitionen in jedem Vermögenswert investiert sein muss:
Zielverhältnis × Gesamtvermögen = Zielwert je Anlageklasse

Vor- und Nachteile des Rebalancings

VorteileNachteile
Hält das Risikoniveau konstant: Rebalancing sorgt dafür, dass Ihre ursprüngliche Risikostruktur erhalten bleibt – auch wenn sich einzelne Anlageklassen stark entwickeln.Verursacht Transaktionskosten: Jedes Umschichten kostet Geld, insbesondere bei häufigem Rebalancing oder kleineren Portfolios.
Sichert Teilerfolge bei starken Kursgewinnen: Wenn eine Anlage deutlich steigt, realisieren Sie durch Verkauf automatisch einen Teilgewinn. Das schützt vor Rückschlägen bei einer späteren Korrektur.Verkauft laufstarke Positionen: Sie trennen sich teilweise von erfolgreichen Investments. Wenn deren Kurse weiter steigen, entgeht Ihnen der zukünftige Gewinn.
Vermeidet emotionale Fehlentscheidungen: Sie handeln nach Plan, nicht nach Gefühl. Das verhindert überstürzte Reaktionen bei Kursschwankungen.Führt unter Umständen zu Steuerzahlungen: Veräußerungsgewinne sind in der Regel steuerpflichtig, besonders außerhalb von Steuerfreibeträgen.
Zwingt zu regelmäßiger Portfolio-Pflege: Sie behalten Ihr Depot im Blick und erkennen frühzeitig Strukturveränderungen.Erfordert Disziplin und Zeit: Wer nicht automatisiert rebalanciert, muss den Prozess selbst umsetzen und dokumentieren.

Rebalancing vs. Buy-and-Hold

Rebalancing unterscheidet sich grundlegend vom Buy-and-Hold-Prinzip. Während Buy-and-Hold auf das langfristige Halten von Wertpapieren setzt und Schwankungen bewusst ignoriert, greift Rebalancing aktiv in die Struktur eines Portfolios ein. Anlegende setzen sich feste Regeln, wann sie im Rebalancing aktiv sind. Dadurch behält das Depot seinen ursprünglich geplanten Aufbau, etwa in Bezug auf Sicherheit, Liquidität oder Wachstum. Wer dagegen auf Buy-and-Hold setzt, überlässt es dem Markt, wie sich das Portfolio entwickelt. Sie nutzen hierbei den Zinseszinseffekt ungebremst bei besonders starken Aktien. Allerdings birgt der Buy-and-Hold-Ansatz die Gefahr, dass einzelne Positionen das Gesamtbild ungewollt dominieren. Beide Strategien haben ihre Berechtigung. Sie unterscheiden sich aber grundlegend im Umgang mit Risiko und Kontrolle.

FAQs zum Portfolio-Rebalancing

Das hängt von Ihrer Strategie und der Zusammensetzung des Portfolios ab. Viele Anlegende prüfen ihre Gewichtung einmal im Jahr oder einmal im Quartal. Wer Schwellenwerte definiert – zum Beispiel eine Abweichung von mehr als 5 Prozent – kann auch ereignisgesteuert eingreifen. Wichtig ist, dass Sie konsequent und nach festen Regeln vorgehen. Häufiges Handeln ohne klaren Plan führt meistens zu einer geringeren Rendite.

Beim Rebalancing entstehen Transaktionskosten, wenn Sie Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Zudem fallen Steuern an, wenn Sie eine Aktie oder ein anderes Wertpapier mit einem Verlust und außerhalb Ihrer Steuerfreibeträge verkaufen. Nutzen Sie thesaurierende ETFs oder berücksichtigen Sie Freibeträge, um die Steuerlast gering zu halten. Bei kleineren Beträgen oder kostenlosen Sparplänen lassen sich die Kosten oft stark reduzieren.

Ja, gerade bei einem ETF-Depot lohnt sich Rebalancing. Auch wenn einzelne ETFs breit gestreut sind, verändert sich deren Wert im Zeitverlauf unterschiedlich stark. Das kann die ursprünglich geplante Gewichtung im Portfolio verzerren. Mit einem gezielten Rebalancing bringen Sie Ihre Aufteilung wieder auf Kurs – zum Beispiel das Verhältnis zwischen Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs.

Wer sein Portfolio zu oft umschichtet, produziert unnötige Kosten und reagiert womöglich auf kurzfristige Marktschwankungen statt auf echte Veränderungen. Das schmälert in manchen Fällen die Rendite und verwässert die eigentliche Anlagestrategie. Besser ist es, einen klaren Plan zu haben – entweder mit festen Zeitintervallen oder mit definierten Schwellenwerten. So behalten Sie die Kontrolle, ohne in Aktionismus zu verfallen. Es besteht außerdem das Risiko, dass Sie eine Gewinnerposition zu sehr trimmen und Ihnen Rendite entgeht.

Wenn Sie eine größere Einmalzahlung wie eine Erbschaft erhalten, sollten Sie das Geld nicht einfach auf einmal in Ihr bestehendes Depot mit der bestehenden Struktur investieren. Nutzen Sie das Rebalancing lieber gezielt für einen Ausgleich. Schauen Sie sich Ihre aktuelle Aufteilung an und gleichen Sie Investitionen durch die Einmalzahlung so an, dass Sie Ihre gewünschte Verteilung wieder erreichen. Wenn Aktien zum Beispiel zu stark gewichtet sind, investieren Sie bevorzugt in Anleihen oder andere unterrepräsentierte Vermögenswerte. So nutzen Sie das neue Kapital, um Ihr Portfolio in die gewünschte Balance zu bringen, ohne bestehende Positionen verkaufen zu müssen.

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