Freefloat oder Streubesitz - was bedeutet das?

Kurz und kompakt

  • Aktien im Freefloat oder Streubesitz stehen dem freien Handel zur Verfügung. Sie werden weder vom Unternehmen selbst, noch von Großaktionärinnen oder Großaktionären gehalten.

  • Für die Aufnahme in den DAX ist es vorgeschrieben, dass mindestens 10 Prozent der Aktien im Streubesitz sein müssen. 

  • Wie groß der Anteil von Freefloat-Aktien ist, kann Auswirkungen auf die Kursstabilität eines Unternehmens haben.

Das bedeutet der Begriff Freefloat

Freefloat oder Streubesitz bezeichnet den Anteil an Aktien eines Unternehmens, die für den freien Handel an der Börse zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass sie weder vom Unternehmen selbst noch von Großaktionärinnen oder Großaktionären gehalten werden. Letztere sind alle Investierenden, die einen Anteil von über 5 Prozent am Unternehmen halten. Unternehmensanteile, die Mitgliedern der Unternehmensführung oder Vorstandsmitgliedern gehören, werden ebenfalls nicht berücksichtigt.

Bedeutung des Freefloat-Anteils für die Aufnahme in den DAX

Für die Aufnahme in Indizes aus der DAX-Familie (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) spielt die Menge der Wertpapiere eines Unternehmens, die sich im Streubesitz befinden, eine wichtige Rolle. Im Jahr 2002 führte die Deutsche Börse den „Freefloat minimum threshold“ ein. Ab diesem Zeitpunkt mussten sich mindestens 5 Prozent aller Aktien im Streubesitz befinden, wenn ein Unternehmen in einen der Indizes aufgenommen werden wollte. 2008 wurde die Grenze auf 10 Prozent angehoben. Unterschreitet eine Firma, die im DAX gelistet ist, diese Grenze, verstößt sie gegen die Grundvoraussetzungen und läuft Gefahr aus dem Index entfernt zu werden.

Einteilung des Streubesitzes

Niedrig

Sind weniger als 10 Millionen Aktienanteile eines Unternehmens im freien Handel, ist der Freefloat-Anteil niedrig. In diesem Fall spricht man von Low-Float-Aktien. Sie sind anfälliger für Kursschwankungen, denn die Auswirkungen einzelner Trades werden größer, je weniger Aktionäre es gibt. Das macht sie attraktiv für risikofreudige und renditeorientierte Anlegerinnen und Anleger.

Mittel

Ein mittlerer Streubesitz liegt vor, wenn zwischen 10 und 100 Millionen Aktien für den freien Handel zur Verfügung stehen. Die Risikoanfälligkeit für starke Kursschwankungen ist hier geringer.

Hoch

Ist der Anteil von Aktien im Streubesitz besonders hoch, spricht man von High-Float-Aktien. Die Menge kann zwischen 100 Millionen und mehreren Milliarden Anteilen liegen. Ein großer Streubesitzanteil liegt oft bei großen Konzernen vor. Ihre Kurse sind nicht so anfällig für Schwankungen, da einzelne Trades nur geringfügige Auswirkungen haben. Das macht sie attraktiv für langfristig denkende Anlegende, institutionelle Investoren und Fondsmanagerinnen und -manager.

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So wird der Freefloat-Anteil berechnet

Um den Freefloat-Anteil zu berechnen, werden von der Gesamtsumme der Aktien alle Anteile abgezogen, die das Unternehmen selbst und strategische Investorinnen und Investoren halten. So ergibt sich der Teil der Aktien, der dem freien Handel zur Verfügung steht. Aussagekräftiger als dieser absolute Wert ist allerdings der prozentuale Anteil:

Streubesitz = Streubesitz (absoluter Wert) / Gesamtsumme der Aktien x  100

Vorteile eines hohen Freefloat-Anteils

Keine Machtkonzentration: Ein hoher Streubesitz führt zu einer breiten Eigentümerbasis. Das sorgt dafür, dass einzelne Aktionärinnen und Aktionäre weniger Einfluss ausüben können.

Demokratische Entscheidungsfindung: Je mehr Parteien nötig sind, um eine tragfähige Mehrheit zu schaffen, desto demokratischer ist der Prozess. Verschiedene Perspektiven müssen einen gemeinsamen Kompromiss finden.

Fokus auf den Kapitalmarkt: Ein hoher Streubesitz zwingt die Unternehmensführung dazu, die Interessen des Marktes und der Aktionärinnen und Aktionäre zu berücksichtigen, anstatt sich auf große Aktieninhabende zu fokussieren.

Hohes Handelsvolumen: Ein großer Anteil von am Markt gehandelten Aktien führt zu mehr Liquidität und einem höheren Handelsvolumen für das Unternehmen.

Nachteile eines hohen Freefloat-Anteils

Zeitnahe Ziele statt langfristiger Planung: Investorinnen und Investoren, die große Aktienpakete über einen langen Zeitraum halten, geben Sicherheit. Unternehmen können langfristige Strategien umsetzen und müssen weniger Augenmerk auf kurzfristige Konsequenzen legen. Ein hoher Streubesitz birgt das Risiko, dass sich Management-Entscheidungen stärker am kurzfristigen Shareholder Value orientieren und so zeitintensive Projekte nicht angegangen werden.

Schwierige Mehrheitsbeschaffung: Ein hoher Anteil an Aktien im Streubesitz erschwert stabile Mehrheiten bei grundlegenden Entscheidungen und Zielsetzungen.

Risiko von Herdentrieb-Reaktionen: Der Herdentrieb oder Mitläufereffekt beschreibt vornehmlich emotional getriebene Entscheidungen, mit denen sich Aktionärinnen und Aktionäre gegenseitig beeinflussen. Hohe Freefloat-Anteile vergrößern das Risiko, dass Panikverkäufe oder -käufe Auswirkungen auf Kursentwicklungen haben können.

Übernahmerisiko: Ein großer Anteil von frei gehandelten Aktien erleichtert es Investierenden mit dem nötigen Kapital, einen großen Anteil an Aktien und somit auch Stimmrechtsanteilen zu erwerben. Übernahmen werden so einfacher möglich.

FAQs zum Freefloat

Zum Freefloat oder Streubesitz gehören alle Aktien, die für den freien Handel an der Börse zur Verfügung stehen. Aktien, die vom Unternehmen selbst oder Großinvestorinnen und -investoren gehalten werden, zählen nicht zum Freefloat. 

Die Größe des Freefloat-Anteils ist ein Indikator dafür, wie anfällig eine Aktie für Kursschwankungen ist. Denn je geringer die Menge an Aktionärinnen und Aktionären ist, desto größere Auswirkungen haben einzelne Trades. Daher sind Aktien mit einem großen Streubesitz besonders für langfristig denkende Anlegende interessant, während Wertpapiere, die einen niedrigen Freefloat-Anteil haben, bei Risikofreudigen beliebt sind.

Viele Indizes haben Vorgaben dafür, wie groß der Anteil der Aktien sein muss, die sich im Streubesitz befinden. Der Deutsche Aktienindex (DAX) schreibt zum Beispiel vor, dass mindestens 10 Prozent der Anteile zum Freefloat gehören müssen.

Die Aktionärsstruktur eines Unternehmens lässt sich öffentlich einsehen. Die Börse, Finanzdienstleister oder die Unternehmen selbst stellen sie bereit. Hier ist aufgelistet, wie viele Anteile in Firmenbesitz, in den Händen von Großaktionärinnen und -aktionären und im Streubesitz sind.

Der Freefloat-Anteil hat Auswirkungen auf den Kurs einer Aktie. Ein hoher Anteil erhöht die Liquidität und verringert das Risiko für Kursschwankungen, während ein sinkender Freefloat den Handel erschwert und Schwankungen wahrscheinlicher macht. Außerdem ist ein Freefloat-Anteil von mindestens 10 Prozent eine Voraussetzung für eine Aufnahme in die Indizes der DAX-Familie. Sinkt der Anteil unter diese Schwelle, wird das Unternehmen aus dem Index entfernt.

Ein niedriger Freefloat-Anteil macht einen Aktienkurs anfälliger für starke Kursschwankungen, denn hier sind die Auswirkungen eines einzelnen Trades größer als bei High-Float-Aktien, wo die Anzahl der Aktionärinnen und Aktionäre deutlich größer ist.

Nein. Großaktionärinnen und -aktionäre, also Investierende, die mindestens 5 Prozent der Unternehmensanteile halten, zählen nicht zum Freefloat.

Der Begriff „ausstehende Aktien“ bezeichnet die gesamte Anzahl an Wertpapieren, die ein Unternehmen ausgegeben hat. Freefloat-Aktien sind der Anteil, der für den freien Handel an der Börse zur Verfügung steht.

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