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Freefloat bei Aktien: Was der Streubesitz Anlegenden wirklich sagt

Kurz und kompakt

  • Aktien im Freefloat oder Streubesitz stehen dem freien Handel zur Verfügung. Sie werden weder vom Unternehmen selbst, noch von Großaktionärinnen oder Großaktionären gehalten.

  • Für die Aufnahme in den DAX ist es vorgeschrieben, dass mindestens 10 Prozent der Aktien im Streubesitz sein müssen. 

  • Wie groß der Anteil von Freefloat-Aktien ist, kann Auswirkungen auf die Kursstabilität eines Unternehmens haben.

Der Freefloat liefert einen ersten Hinweis, aber kein Kaufsignal

Wenn Sie eine Aktie kaufen oder verkaufen, liefert Ihnen der Freefloat zunächst die Antwort auf eine Frage: Welcher Anteil aller Aktien steht grundsätzlich für den Börsenhandel bereit? Ein hoher Wert weist auf einen größeren Streubesitz hin. Bei einem niedrigen Wert halten Gründerfamilien, Staaten, Unternehmen oder andere strategisch Beteiligte einen größeren Anteil. Ob Sie Ihre Order tatsächlich schnell und zu einem marktgerechten Preis ausführen können, zeigt die Kennzahl jedoch nicht. Dafür zählen die aktuellen Angebote und Nachfragen. Nutzen Sie den Freefloat daher als Ausgangspunkt und ergänzen Sie ihn um Handelsdaten sowie Informationen zu größeren Beteiligungen.

So entstehen Streubesitz und Festbesitz

Der Streubesitz gibt an, welcher Anteil der gesamten Aktien im Markt gehandelt wird. Festbesitz beschreibt hingegen, welcher Anteil sich in der festen und kaum verkäuflichen Hand großer Investoren befindet. Dazu gehören häufig langfristige strategische Beteiligungen, etwa von Gründerfamilien, Muttergesellschaften oder öffentlichen Stellen. Eigene Aktien des Unternehmens bleiben ebenfalls regelmäßig außen vor. Eine Beteiligung eines Fonds oder einer Versicherung zählt dagegen nicht allein wegen des institutionellen Eigentümers automatisch zum Festbesitz.

Die Zahl der insgesamt ausstehenden Aktien bildet die Grundlage der Rechnung. Sie umfasst die Aktien, die das Unternehmen ausgegeben hat und die noch bestehen. Zieht der Anbieter davon den Festbesitz ab, erhält er die grundsätzlich frei handelbare Stückzahl. Der prozentuale Freefloat setzt diese Stückzahl ins Verhältnis zu allen ausstehenden Aktien.

So berechnen Anbieter den Freefloat

Die Berechnung des Freefloats ist gar nicht kompliziert, sie lautet: Freefloat in Prozent = Aktien im Streubesitz geteilt durch ausstehende Aktien mal 100.

Hat ein Unternehmen 100 Millionen ausstehende Aktien und ordnet der Anbieter 30 Millionen davon dem Streubesitz zu, beträgt der Freefloat 30 Prozent. Dieser Wert bedeutet nicht, dass täglich 30 Millionen Aktien zum Verkauf stehen oder gar ihre Besitzerin oder ihren Besitzer wechseln. Der Freefloat beschreibt lediglich den Anteil der Aktien, die grundsätzlich am Aktienmarkt ge- oder verkauft werden können.

Definition und Stichtag können das Ergebnis verändern

Datenanbieter und Indexbetreiber grenzen Festbesitz nicht immer gleich ab. Sie berücksichtigen Beteiligungshöhe, strategische Absicht, Stimmrechtsbindungen oder Haltefristen nach ihren eigenen Regeln. Außerdem beziehen sich die Angaben auf einen bestimmten Stichtag. Deshalb können zwei verlässliche Quellen für dasselbe Unternehmen unterschiedliche Werte für den Streu- und Festbesitz nennen. Prüfen Sie bei Abweichungen zuerst Definition und Datum, statt einen Wert beim Freefloat vorschnell als falsch zu bewerten.

Hoher und niedriger Freefloat: Vor- und Nachteile

Ein hoher Freefloat erweitert den Anteil, der grundsätzlich am Markt handelbar ist. Ein niedriger Streubesitz konzentriert mehr Aktien bei wenigen Beteiligten. Beides hat mögliche Vor- und Nachteile. Wie stark sie in der Praxis wirken, hängt von der Größe des Unternehmens und vom Börsenhandel ab.

AspektHoher FreefloatNiedriger Freefloat
Handelbarer AnteilEin größerer Teil aller Aktien zählt zum Streubesitz.Ein kleinerer Teil aller Aktien zählt zum Streubesitz.
EigentümerstrukturWeniger Aktien liegen in strategischem Festbesitz.Größere Beteiligungen prägen die Eigentümerstruktur stärker.
Mögliche OrderwirkungEinzelne Orders fallen bei zugleich regem Handel häufig weniger ins Gewicht.Einzelne Orders können stärker wirken, wenn Anlegerinnen und Anleger zugleich nur wenige Aktien handeln.
Grenze der AussageEin hoher Wert garantiert weder hohe Umsätze noch einen engen Spread.Ein niedriger Wert beweist weder geringe Liquidität noch starke Kursschwankungen.

Hoher Streubesitz, leichterer Handel

Wenn viele Aktien zum Streubesitz zählen und Anlegerinnen und Anleger sie rege handeln, treffen Kauf- und Verkaufsaufträge meist auf ein breiteres Angebot. Größere Kauf- oder Verkaufsaufträge beeinflussen den Kurs dann häufig weniger stark. Dieser Vorteil entsteht jedoch erst bei aktiver Nachfrage und einem ausreichend gefüllten Orderbuch. Eine hohe Streubesitz-Quote sagt außerdem wenig darüber aus, wer die frei handelbaren Aktien hält oder wie lange diese Personen und Institutionen investiert bleiben. Legen Sie daher Ihren Fokus auf Unternehmenskennzahlen, sie zeigen viel deutlicher, ob eine Aktie ein gutes Investment ist. Der Freefloat dient eher einem regen Handel.

Niedriger Streubesitz, stärkerer Einfluss großer Beteiligungen

Ein niedriger Freefloat kann auf langfristig engagierte Ankeraktionärinnen und Ankeraktionäre hindeuten und Kontinuität in die Eigentümerstruktur bringen. Große Beteiligte erhalten so zugleich erheblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Prüfen Sie deshalb die Interessen und Stimmrechte dieser Beteiligten. Für den Börsenhandel ist es nachteilig, wenn nur wenige Aktien verfügbar sind, denn eine größere Kauforder trifft dann unter Umständen auf wenige Verkaufsangebote. Das treibt schnell den Preis in die Höhe. Beim Verkauf gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Der Kurs kann mehrere Preisstufen durchlaufen, obwohl sich am Unternehmen nichts verändert hat. Reale Erlöse liegen dann unter Umständen unter dem angegebenen Börsenkurs.

Das Handelsvolumen zeigt die tatsächliche Aktivität

Freefloat und Handelsvolumen setzen bei verschiedenen Facetten des Aktienhandels an. Der Freefloat beschreibt den Anteil der Aktien, den ein Anbieter dem Streubesitz zurechnet. Das Handelsvolumen misst dagegen, wie viele Aktien oder welchen Gegenwert Marktteilnehmende innerhalb eines Zeitraums tatsächlich handeln. Eine Aktie kann deshalb einen hohen Freefloat und dennoch geringe Börsenumsätze aufweisen. Betrachten Sie das Volumen über mehrere Handelstage und an Ihrem vorgesehenen Börsenplatz. Setzen Sie Ihre geplante Order außerdem ins Verhältnis zum üblichen Tagesumsatz. So erkennen Sie, ob Ihr Auftrag kaum auffällt oder einen erheblichen Anteil des Handels ausmacht.

Der Spread beeinflusst Ihren Kauf- und Verkaufspreis

Die Geld-Brief-Spanne ergänzt den Blick auf das Handelsvolumen. Der Geldkurs bezeichnet den höchsten aktuellen Kaufpreis, der Briefkurs den niedrigsten aktuellen Verkaufspreis. Die Differenz heißt Spread. Steht der Geldkurs bei 49,50 Euro und der Briefkurs bei 50,50 Euro, beträgt der Spread 1 Euro. Bezogen auf den Mittelwert von 50 Euro entspricht das 2 Prozent.

Wer zum Briefkurs kauft und ohne Kursbewegung sofort zum Geldkurs verkauft, trägt rechnerisch diese Differenz. Ein breiter Spread erhöht damit die indirekten Kosten des Ein- und Ausstiegs. Geringe Liquidität geht häufiger mit einem breiteren Spread einher. Der Freefloat verursacht ihn jedoch nicht allein. Auch Börsenplatz, Tageszeit, Nachrichtenlage und allgemeines Marktumfeld beeinflussen die Spanne.

Die Bedeutung der Ordergröße

Prüfen Sie neben Geld- und Briefkurs auch die verfügbaren Stückzahlen im Orderbuch, sofern Ihr Handelsplatz diese Information anzeigt. Hinter dem besten Preis steht möglicherweise nur eine kleine Stückzahl. Eine größere Order erreicht dann weitere Preisstufen und verteuert den durchschnittlichen Kaufpreis. Beim Verkauf kann der Erlös entsprechend niedriger ausfallen.

Mit einer Limitorder legen Sie den höchsten Kaufpreis oder den niedrigsten Verkaufspreis fest, den Sie akzeptieren. Das schützt vor einer Ausführung außerhalb Ihrer Preisgrenze. Das Limit garantiert jedoch nicht, dass der Handelsplatz die Order vollständig ausführt. Bei wenig liquiden Aktien können Teilausführungen entstehen oder die Order bleibt offen.

Bei Small und Mid Caps zählt das Zusammenspiel der Kennzahlen

Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen (Small Caps und Mid Caps) besitzen häufig eine geringere Marktkapitalisierung und erreichen niedrigere Börsenumsätze als große Standardwerte. Trifft ein niedriger Freefloat auf wenig Handel und einen breiten Spread, steigt das Risiko eines ungünstigen Ausführungspreises. Ein Small oder Mid Cap mit niedrigem Streubesitz muss trotzdem nicht schwer handelbar sein. Regelmäßige Umsätze und ein enger Spread ermöglichen einen geordneten Handel. Umgekehrt kann ein hoher prozentualer Freefloat bei einem kleinen Börsenwert nur einem begrenzten handelbaren Wert entsprechen. Vergleichen Sie deshalb stets alle vier Kennzahlen mit Ihrer Ordergröße.

Beispiel: Gleicher Freefloat, ungleiche Handelssituation

Die beiden fiktiven Unternehmen A und B weisen jeweils einen Freefloat von 30 Prozent aus. Die übrigen Kennzahlen unterscheiden sich jedoch deutlich:

KennzahlUnternehmen AUnternehmen B
Marktkapitalisierung12 Milliarden Euro120 Millionen Euro
Freefloat30 Prozent30 Prozent
Typischer Tagesumsatz25 Millionen Euro60.000 Euro
Geld-Brief-Spanne0,10 Prozent2 Prozent
Beispielorder20.000 Euro20.000 Euro

Bei Unternehmen A entspricht die Order nur einem kleinen Teil des üblichen Tagesumsatzes. Bei Unternehmen B erreicht sie ein Drittel des beispielhaften Handelsvolumens. Dort kann sie mehrere Preisstufen berühren und den Ausführungskurs sichtbar verändern. Derselbe Freefloat führt somit nicht zur gleichen Liquidität. Auch eine Einteilung allein nach der absoluten Zahl frei handelbarer Aktien greift zu kurz. Erst Börsenwert, laufende Handelsaktivität, Spread und geplante Ordergröße beschreiben die konkrete Situation.

So verändert sich der Streubesitz

Auch die Anzahl frei handelbarer Aktien unterliegen zeitweisen Veränderungen. Der Freefloat steigt beispielsweise, wenn Gründerfamilien oder andere strategisch Beteiligte Aktien über die Börse verkaufen. Er sinkt, wenn Beteiligte über Insiderkäufe ihre Position ausbauen oder ein Übernahmeangebot viele Aktien bei neuen Großbeteiligten bündelt. Auch Kapitalerhöhungen und Aktienrückkäufe verändern den prozentualen Streubesitz, wenn Unternehmen neue Aktien ausgeben oder einziehen. Ihre Wirkung hängt davon ab, wer neue Aktien zeichnet und wie sich die Zahl der ausstehenden Aktien entwickelt. Datenanbieter passen den Wert außerdem an, wenn sie eine Beteiligung nach ihren Regeln neu einstufen.

Bewerten Sie eine Veränderung deshalb nicht pauschal positiv oder negativ. Prüfen Sie zuerst den Anlass, die beteiligten Aktionärinnen und Aktionäre und die neue Stimmrechtsverteilung. Beobachten Sie danach, ob sich Handelsvolumen, Spread oder Indexgewicht tatsächlich verändern. Erst dieser Zusammenhang zeigt, welche praktische Folge der neue Freefloat hat.

Für DAX-Indizes zählt die Marktkapitalisierung des Streubesitzes

Bei der Auswahl und Gewichtung in den DAX-Indizes spielt die sogenannte Freefloat-Marktkapitalisierung eine zentrale Rolle. Ähnliche Regeln gelten auch für andere deutsche Indizes wie den MDAX oder den SDAX. Die Marktkapitalisierung misst den Wert, den alle ausstehenden Aktien im Festbesitz und Streubesitz mit dem aktuellen Aktienkurs multipliziert werden. 

Der Indexanbieter verbindet dafür Aktienkurs, relevante Aktienzahl und Freefloat-Faktor. Nach den derzeitigen Regeln müssen mindestens 10 Prozent der Aktien im Streubesitz liegen. Sinkt der Anteil darunter, kommt ein außerplanmäßiger Austausch aus dem Index infrage. Ein steigender Freefloat kann unter Umständen das mögliche Indexgewicht einer im DAX gelisteten Gesellschaft erhöhen. Dies gilt jedoch nur zusammen mit dem Aktienkurs und den übrigen Indexregeln. Aufnahme und Gewichtung sagen nichts darüber aus, ob eine Aktie günstig bewertet ist oder zu Ihren Anlagezielen passt.

Was der Freefloat nicht zeigt

  • Unternehmensqualität: Der Streubesitz bewertet weder Geschäftsmodell und Wettbewerbsposition noch Ertragskraft und Verschuldung.
  • Angemessener Aktienkurs: Aus einem hohen oder niedrigen Wert lässt sich nicht ableiten, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.
  • Künftige Rendite: Der Freefloat liefert weder eine Kursprognose noch eine belastbare Erwartung für Dividenden oder Gesamtertrag.
  • Persönliche Eignung: Die Kennzahl berücksichtigt Ihre Anlageziele, Risikobereitschaft, Anlagedauer und bestehende Portfolioaufteilung nicht.

So prüfen Sie den Freefloat vor einer Order

  1. Quelle und Stichtag vergleichen. Suchen Sie die Freefloat-Quote auf der Investor-Relations-Seite, in Geschäfts- oder Zwischenberichten, in Stimmrechtsmitteilungen oder beim Börsen- und Indexanbieter. Prüfen Sie, auf welches Datum sich die Angabe bezieht.
  2. Definition kontrollieren. Lesen Sie nach, welche Beteiligungen die Quelle dem Festbesitz zurechnet. So erklären sich viele Unterschiede zwischen zwei veröffentlichten Werten.
  3. Marktkapitalisierung ergänzen. Ein Prozentwert erhält erst zusammen mit der Unternehmensgröße eine Größenordnung. 30 Prozent eines Großkonzerns entsprechen einem anderen handelbaren Börsenwert als 30 Prozent eines kleinen Unternehmens.
  4. Handel über mehrere Tage prüfen. Vergleichen Sie das typische Volumen am vorgesehenen Börsenplatz und achten Sie auf außergewöhnliche Umsatztage. Prüfen Sie außerdem den aktuellen Spread und die verfügbaren Stückzahlen.
  5. Ordergröße und Preisgrenze festlegen. Setzen Sie Ihren Auftrag ins Verhältnis zum üblichen Handel. Legen Sie mit einem Limit fest, welchen Preis Sie höchstens zahlen oder mindestens erhalten möchten.

Trennen Sie danach zwei Entscheidungen. Handelsvolumen, Spread und Orderbuch helfen Ihnen bei der Ausführung. Geschäftsmodell, Bilanz, Bewertung und Ihre persönlichen Ziele entscheiden darüber, ob die Aktie als Geldanlage zu Ihnen passt. Der Freefloat ergänzt das Gesamtbild um die Handelbarkeit und Eigentümerstruktur. Er ersetzt keine Qualitäts- oder Bewertungsanalyse.

Haben Sie Fragen zu Aktien? Wir helfen Ihnen gerne!

Auch Ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Volksbanken Raiffeisenbanken ordnen Themen wie den Freefloat gerne für Sie ein. Wenn Sie Aktien handeln möchten und offene Fragen haben, schafft ein Beratungsgespräch oft Klarheit. Sprechen Sie uns gerne an oder vereinbaren Sie einen Termin. So gelingen Ihnen die ersten Schritte auf dem Börsenparkett.

Häufige Fragen zum Freefloat

Einen allgemein guten Freefloat gibt es nicht. Ein höherer Streubesitz bedeutet zunächst, dass ein größerer Anteil der Aktien frei am Markt gehandelt werden kann. Das kann den Handel erleichtern, garantiert aber weder eine hohe Liquidität noch eine gute Kursentwicklung. Prüfen Sie deshalb zusätzlich Marktkapitalisierung, Handelsvolumen, Spread und die für Ihre Order verfügbaren Stückzahlen.

Zum Freefloat oder Streubesitz zählen grundsätzlich Aktien, die dem Börsenhandel frei zur Verfügung stehen und nicht dauerhaft von strategischen Großaktionärinnen oder Großaktionären gehalten werden. Dazu gehören beispielsweise Aktien vieler privater und institutioneller Anleger. Langfristig gebundene Beteiligungen, eigene Aktien des Unternehmens oder bestimmte strategische Beteiligungen bleiben je nach Berechnungsmethode außen vor. Die genaue Abgrenzung kann sich zwischen Daten- und Indexanbietern unterscheiden.

Der Freefloat zeigt, welcher Teil der Aktien eines Unternehmens grundsätzlich frei gehandelt werden kann. Ein größerer Streubesitz erweitert damit das potenziell verfügbare Angebot am Markt. Für Anlegende liefert der Wert einen ersten Hinweis darauf, wie stark eine Aktie von festen Großaktionären geprägt wird. Wie leicht Sie eine Aktie tatsächlich kaufen oder verkaufen können, erkennen Sie jedoch erst zusammen mit Handelsvolumen und Spread.

Der Freefloat beschreibt, welcher Anteil aller Aktien grundsätzlich frei handelbar ist, also das potenziell verfügbare Angebot. Das Handelsvolumen misst dagegen, wie viele Aktien oder welchen Gegenwert Marktteilnehmende innerhalb eines bestimmten Zeitraums tatsächlich umsetzen, also die reale Handelsaktivität. Eine Aktie kann daher einen hohen Freefloat besitzen und trotzdem nur wenig gehandelt werden.

Bei vielen Aktienindizes spielt der Streubesitz eine wichtige Rolle für Auswahl und Gewichtung der Unternehmen. Indexanbieter berücksichtigen häufig nicht den gesamten Börsenwert, sondern nur die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien. Ein geringer Freefloat kann so das mögliche Indexgewicht eines Unternehmens begrenzen. Welche Regeln gelten, hängt vom jeweiligen Index und dessen Berechnungsmethode ab.

Angaben zum Freefloat finden Sie häufig auf den Investor-Relations-Seiten eines Unternehmens, bei Börsenbetreibern oder bei Finanzdatenanbietern. Achten Sie dabei auf den Stichtag und darauf, nach welcher Methode der Anbieter den Streubesitz berechnet. Unterschiedliche Quellen können deshalb leicht voneinander abweichende Werte nennen. Für einen Index ist die Berechnung des jeweiligen Indexanbieters maßgeblich.

Der Freefloat verändert sich, wenn sich die Struktur der Eignerinnen und Eigner eines Unternehmens verschiebt. Großaktionärinnen und Großaktionäre können beispielsweise Aktien verkaufen oder zusätzliche Anteile erwerben. Auch Kapitalerhöhungen, Aktienrückkäufe oder Übernahmen wirken sich auf den Anteil frei handelbarer Aktien aus. Zusätzlich kann sich der ausgewiesene Wert ändern, wenn ein Datenanbieter eine Beteiligung neu als Streu- oder Festbesitz einstuft.

Steigt der Freefloat, stehen grundsätzlich mehr Aktien für den freien Handel zur Verfügung. Sinkt er, konzentriert sich ein größerer Anteil bei festen oder strategischen Anteilseignerinnen und Anteilseignern. Veränderungen können außerdem die Gewichtung einer Aktie in bestimmten Börsenindizes beeinflussen und so Käufe oder Verkäufe indexnaher Fonds auslösen. Wie stark sich dies auf den Börsenkurs auswirkt, hängt jedoch von Umfang, Handelsaktivität und Marktsituation ab.

Ein niedriger Freefloat bedeutet, dass nur ein begrenzter Teil der Aktien frei gehandelt werden kann. Treffen größere Kauf- oder Verkaufsaufträge auf ein kleines verfügbares Angebot, können sie den Kurs stärker bewegen. Größere Schwankungen entstehen daraus aber nicht automatisch. Handelsvolumen, Marktkapitalisierung, Nachrichtenlage und Größe einzelner Orders beeinflussen die Kursreaktion ebenfalls.

Aktien institutioneller Investierender können zum Freefloat zählen, wenn die Beteiligung nicht als dauerhaft oder strategisch gebunden eingestuft wird. Entscheidend ist daher nicht allein, ob beispielsweise ein Fonds, eine Versicherung oder eine Vermögensverwaltung die Aktien hält. Maßgeblich sind die Beteiligungshöhe und die Regeln des jeweiligen Daten- oder Indexanbieters. Größere strategische Beteiligungen können entsprechend aus dem Streubesitz herausgerechnet werden.

Die ausstehenden Aktien umfassen grundsätzlich alle von einem Unternehmen ausgegebenen Aktien, die sich bei Anlegerinnen und Anlegern befinden. Der Streubesitz bildet davon nur den Teil ab, der dem freien Börsenhandel zugerechnet wird. Befinden sich größere Pakete dauerhaft bei Gründerfamilien, Muttergesellschaften oder anderen strategischen Eigentümerinnen und Eigentümern, gehören sie zwar zu den ausstehenden Aktien, aber nicht zwingend zum Freefloat. Der Streubesitz ist damit nur ein Ausschnitt der gesamten Aktienzahl.

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