Kurz und kompakt

  • ELTIFs ermöglichen Investitionen in langfristige und eigentlich weniger zugängliche Anlageklassen. Dazu zählen Infrastruktur oder Private Equity. 

  • Sie können Ihr Kapital oft nur zu bestimmten Zeitpunkten zurückverlangen. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher auf eine langfristige Bindung einstellen.

  • Durch klare EU-Regelungen bieten ELTIFs mehr Transparenz und Struktur. Es bestehen jedoch Risiken wie Wertschwankungen und eingeschränkte Liquidität.

ELTIF - 5 Buchstaben für eine besondere Anlageklasse

Die Börsenwelt hat so manches interessante Kürzel für Renditemöglichkeiten hervorgebracht. ETF steht beispielsweise für „Exchange Traded Funds“. Mit diesen kostengünstigen börsengehandelten Fonds können Sie bequem ganze Indizes und Märkte abbilden. Daneben gibt es mit NFTs digitale Kunstwerte, auf deren Wertsteigerung Sie spekulieren können. Aber haben Sie schon einmal etwas von einem ELTIF gehört? Auch dahinter verbirgt sich eine interessante Anlageklasse mit individuellen Chancen und Risiken.

Was ist ein ELTIF?

Ein ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ist ein europäischer Fonds, der Geld gezielt in langfristige Projekte wie Infrastruktur, Energie oder Unternehmensfinanzierung lenkt. Er richtet sich an Anleger, die ihr Portfolio um Anlageklassen ergänzen möchten, die im klassischen Fondsbereich nicht verfügbar sind. Ein ELTIF bündelt das Kapital vieler Personen und investiert es in Projekte, die für Wirtschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung sind. Dazu zählen beispielsweise erneuerbare Energien oder der Ausbau digitaler Netze. Die EU legt genau fest, in welche Anlagen ein ELTIF investieren darf. Dadurch soll für Anleger verlässlich nachvollziehbar sein, welche Regeln gelten und wie die Fondsgesellschaften Risiken begrenzen.

Was sind typische Anlagen?

Ein ELTIF investiert häufig in Vermögenswerte, die langfristig stabile Einnahmen versprechen. Dazu gehören Wind- und Solarparks, die nach hohen Anfangskosten über viele Jahre hinweg laufende Erträge erzielen. Auch Infrastrukturprojekte wie Verkehrswege, Datenleitungen, Krankenhäuser oder Wasseranlagen kommen infrage. Viele ELTIFs investieren zusätzlich in nicht börsennotierte Unternehmen (Private Equity) oder vergeben Unternehmenskredite (Private Debt). Auch langfristig vermietete Immobilien zieren so manches ELTIF-Portfolio. Dazu zählen insbesondere Pflege- und Logistikimmobilien.

So funktioniert ein ELTIF

Ein ELTIF sammelt Kapital von Anlegerinnen und Anlegern ein und investiert es in mehrere Projekte. Die Fondsleitung prüft jedes Vorhaben, bewertet Chancen und Risiken und stellt auf dieser Grundlage ein breit gestreutes Portfolio zusammen. Sobald ein ELTIF in ein Projekt investiert hat, begleitet das Fondsmanagement dieses aktiv und überwacht dessen wirtschaftliche Entwicklung. Erträge entstehen je nach Schwerpunkt des Fonds aus Mieten, Zinsen, Gewinnausschüttungen oder dem Verkauf eines Projekts. Da solche Vorhaben viele Jahre laufen, ist es nötig, das eingesammelte Kapital über eine lange Laufzeit zu binden. Die EU-Regulierung sorgt dafür, dass Vorgaben zur Risikostreuung, zur Transparenz und zur Rückgabe der Anteile klar definiert sind. So wissen Anlegende genau, wie der Fonds arbeitet und welche Abläufe gelten.

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Was sind die Anlageziele von ELTIFs?

Wenn Sie in einen ELTIF investieren, sollten Sie keinen kurzfristigen Handel planen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau nachhaltiger Werte. Die Produkte sind darauf ausgelegt, dass Sie von der langfristigen Wertschöpfung der jeweiligen Projekte profitieren. Für die Investoren und Kapitalnehmer dienen ELTIFs hingegen dazu, Investitions- und Finanzierungslücken zu schließen, die klassische Banken oder öffentliche Mittel nicht vollständig abdecken. Mit ihrem eingesetzten Kapital stärken ELTIFs daher auch Bereiche, die als strategisch relevant gelten. Dazu zählen insbesondere die bereits erwähnten Bereiche wie die Energieversorgung, die Digitalisierung und die regionale Entwicklung.

Chancen und Risiken von ELTIFs im Vergleich

ELTIFs bieten Ihnen einen Zugang zu Anlageklassen, die normalerweise nur institutionellen Investoren offenstehen. Dadurch können sich zusätzliche Renditechancen ergeben, da Projekte oft unabhängig von täglichen Marktbewegungen laufen. Der langfristige Charakter von ELTIFs hilft Ihnen außerdem, Schwankungen an den Börsen besser auszugleichen. Gleichzeitig gibt es klare Risiken, denn die Projekte verlaufen nicht immer planmäßig. Wenn sich beispielsweise der Bau eines Projektes verzögert oder höhere Kosten entstehen, schmälert das schnell die Rendite. Dazu kommt, dass Bewertungen seltener erfolgen und weniger transparent sind. Auch der eingeschränkte Zugang zum investierten Kapital bleibt ein wesentliches Risiko, da Sie nicht jederzeit aus dem Fonds aussteigen dürfen. Bevor Sie investieren, sollten Sie sich daher bewusst sein, dass Sie Ihr Geld über viele Jahre hinweg fest binden.

Unterschied zwischen ELTIF und ETF

MerkmalELTIFETF
ZielsetzungFinanzierung langfristiger Projekte mit wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher BedeutungAbbildung eines Index, um von einem breiten Vergleichsmarkt zu profitieren
FlexibilitätStark eingeschränkt, feste Laufzeiten und RückgaberegelnHohe Flexibilität, täglicher Kauf und Verkauf möglich
TransparenzBewertungen erfolgen selten und sind weniger eindeutig.Kurse werden fortlaufend an der Börse ermittelt.
RenditequellenProjektbezogene Einnahmen, zum Beispiel Zinsen, Ausschüttungen oder Verkäufe am LaufzeitendeKursentwicklungen und Dividenden im jeweiligen Index
ZugangshürdenJe nach Anbieter Mindestanlagesumme und VorgabenOhne spezielle Voraussetzungen für alle Anleger verfügbar

Für wen eignet sich ein ELTIF?

Ein ELTIF eignet sich für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger. Sie sollten zudem bereit sein, außerhalb der klassischen Börsenwelt zu investieren. Wenn Sie gerne reale Projekte unterstützen möchten, finden Sie in einem ELTIF eine passende Möglichkeit. Wichtig ist, dass Sie Ihr Geld nicht kurzfristig benötigen. In einem breiten Portfolio stellen diese speziellen Fonds daher eine spannende Chance dar, in Infrastruktur und ähnliche Projekte zu investieren.

Was sind alternative Geldanlagen für Privatpersonen?

Wer Geld nicht langfristig binden möchte, hat eine breite Auswahl an alternativen Anlageformen. Dazu zählen offene Investmentfonds und ETFs. Diese Anlageklassen ermöglichen flexible Ein- und Auszahlungen und sind ebenfalls breit gestreut. Auch Tages- oder Festgeldkonten sind sinnvoll, wenn Ihnen Sicherheit und klare Laufzeiten wichtig sind. Wenn Sie hingegen bereit sind, höhere Risiken für mehr Rendite einzugehen, kommen außerdem Aktienportfolios, Anleihen oder Mischfonds infrage. Auch Themenfonds sind möglich. So können Sie beispielsweise per kostengünstigem ETF in börsennotierte Infrastrukturprojekte investieren.

Laufzeit und Liquidität

ELTIFs sind in der Regel auf lange Laufzeiten ausgelegt, die sich oft über mehrere Jahre oder Jahrzehnte erstrecken. Die Herausgeber ermöglichen den Rückkauf von Fondsanteilen nur in bestimmten Phasen – teilweise sogar erst zum Ende der Laufzeit. Auch ein Weiterverkauf gestaltet sich häufig schwierig, da es nur wenige geeignete Handelsplätze gibt. Dadurch fällt die Liquidität und somit die Handelbarkeit an den Märkten deutlich geringer aus als bei klassischen Investmentfonds oder ETFs. Prüfen Sie deshalb genau, ob das eingesetzte Kapital wirklich über den gesamten Zeitraum entbehrlich ist. Ein ungebundener Notgroschen ist bei dieser Anlageklasse unverzichtbar.

Regulatorik und ELTIF 2.0

ELTIFs beruhen auf der EU-Verordnung 2015/760. Sie legt genau fest, wie solche Fonds aufgebaut sind und welche langfristigen Anlagen die Herausgeber nutzen dürfen. Mit der Reform „ELTIF 2.0“, die 2024 in Kraft trat, hat der Gesetzgeber viele Vorgaben vereinfacht. Diese Neuerung reformierte die Gestaltung der Produkte und führte dazu, dass heute mehr Varianten am Markt verfügbar sind, die unterschiedliche Schwerpunkte abdecken. Privatanlegende haben daher einen besseren Zugang zu dieser Anlageklasse, stehen aber gleichzeitig vor einer größeren Auswahl.

FAQs zu ELTIF

Ein ELTIF investiert überwiegend in langfristige, weniger liquide Anlagen wie Infrastrukturprojekte oder private Unternehmen. Dadurch unterscheidet sich dieser Fonds deutlich von klassischen Investmentfonds oder ETFs, die jederzeit handelbar sind und meist an öffentlichen Märkten investieren. Ein ELTIF bindet das Kapital in der Regel fest über mehrere Jahre. Dafür reguliert der Gesetzgeber diese Produkte stärker. Herausgeber müssen die investierten Mittel daher nach festen Vorgaben einsetzen. 

Ja, seit der Reform „ELTIF 2.0“ ist das möglich. Frühere Einstiegshürden wie hohe Mindestbeträge oder zusätzliche Beratungspflichten sind weitgehend abgeschafft. Dennoch sollten Sie vorher prüfen, ob ein ELTIF zu Ihrer persönlichen finanziellen Situation passt, da das Kapital langfristig gebunden ist. 

Ein zentraler Vorteil ist der Zugang zu Anlageklassen, die Privatanlegende normalerweise verwehrt bleiben. Dazu zählen vor allem Beteiligungen an privaten Firmen oder großen Infrastrukturprojekten. Diese Bereiche bieten bei richtiger Auswahl langfristig attraktive Renditechancen. ELTIFs ermöglichen es, das eigene Portfolio breiter aufzustellen. Zudem profitieren Anlegerinnen und Anleger davon, dass ELTIFs klare europäische Regeln einhalten müssen.

Das größte Risiko liegt in der eingeschränkten Liquidität, denn Auszahlungen oder Verkäufe sind häufig nur zu festgelegten Zeitpunkten möglich. Zudem schwanken die Werte nicht börsennotierter Anlagen weniger sichtbar. Dadurch sind Risiken und Bewertungsverluste manchmal nicht so schnell ersichtlich. Verluste sind auch bei langfristigen Projekten möglich, beispielsweise wenn Bauvorhaben scheitern oder Unternehmen in die Insolvenz gehen. Hinzu kommt, dass wirtschaftliche Veränderungen oder steigende Finanzierungskosten die Renditen mindern können.

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